Bindenweltmeister: Götter der Geste

Die Hochtalentierten beim Zeichensetzen: Mit einer gemeinsamen Aktion brachte die Startelf des DFB Fifa und Katar in schwere Verlegenheit.

Das Gejammer über den Fehlstart kam wie „vorprogrammiert“ (SZ). Fußball war auf einmal wieder die wichtigste Nebensache der Welt, obwohl doch das Setzen von Zeichen die wichtigste Sache der Welt ist. Die deutsche Truppe in Katar versagt gegen Japan, den alten Alliierten, ein Auftakt nach Russland-Maß, der für einem Moment selbst die mutige Geste vor dem Anpfiff überstrahlte: Die Gruppe der „Hochtalentierten“ (Taz), erstmals seit Jahrzehnten wieder ohne ostdeutschen Ballast angetreten, hielt sich die Hand vor den Mund. Eine globale Geste, die fehlenden Meinungsfreiheit anprangert und dem Ruf der katarischen Scheichs und ihrer Verbündeten von der Fifa ernsthafte Kratzer beibringen wird.

Sieg für die Freiheit

Das Schweigen der Spieler, es ist ein Sieg für die Freiheit. Bilder, die um die Welt gehen und in Asien, Südamerika und Afrika in den kommenden Jahren neue Achtung für Deutschland als Heimat der Freiheit zu produzieren verspricht. Zumal das Team der „Hochtalentierten“ (FR) nach Spielbeginn nicht abließ vom Unternehmen Zeichensetzen. Schon nach wenigen Minuten luden die Deutschen den Gegner zum ersten Treffer ein. Der zählte nicht, ließ aber erahnen, wohin dieses Begegnung unterwegs sein könnte. Auf 78 Prozent Ballbesitz würde die DFB-Auswahl später stolz verweisen. Den Japaners reichten ihre 22, nach 98 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen.

Dabei war alles vorbereitet wie nie. Ein „Superquartier“ (DPA) haben sie, das als kleine Reverenz an Kevin Kühnert die „Rote Burg“ genannt wird. Sie liegt sehr abgelegen, denn niemand will sich hier gemein machen mit den locals in ihren Koran-Kitteln. Trotzdem sei es von dort nicht weit zu den Stadien. Man könne schnell im Bus zu den Spielen fahren, versicherte Oliver Bierhoff vor Turnierstart. Deshalb mietete der DFB vor dem ersten Spiel eigens ein Zweites Hotel näher am Stadion. Nichts sollte zwischen Deutschland und dem Sieg stehen. Niemals zuvor hat eine deutsche Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft so viel Aufwand betrieben. Und niemals zuvor wurde eine deutsche Mannschaft bei einer WM vom heimischen Publikum so geringgeschätzt. 

Die große Liebe der Deutschen zu ihrer Nationalmannschaft, sie erlosch, als das veraltete Nation“ aus dem Namen gestrichen wurde. Das Feuer erkaltete, als die „Mannschaft“ sich lange vor den Spielern des Iran weigerte, die Hymne mitzusingen, die so viel Leid über die Welt gebracht hatte. Und die Asche verwehte, als es kaum noch um Taktik, den richtigen Stürmer und den beinhärtesten Verteidiger, sondern fortwährend um Vielfalt, Toleranz mit dem Gegner und inklusive Passwege ging. „One Love“ steht wie eine Menetekel über dem Ruin einer Marke, die ihre größten Schlagzeilen macht, wenn sich Werbepartner auf der Suche nach einem Aufmerksamkeitsbooster von ihr abwenden.

Beeindruckende Manifestation

Wie die „Hochtalentierten“ (FAZ) gleich bei ihrem ersten Auftritt in Feindesland auf die Herausforderung reagierten, nötigt Achtung ab. Die Innenministerin saß mit berühmten Bekenntnisbinde zur lebenslangen monogamen Beziehung auf der Tribüne und sah den früheren Weltmeister dabei zuschauen, wie ihm die Felle wegschwammen. Sport war Nebensache, Tore gab es, von einem Strafstoß abgesehen, für die deustsche Seite nicht zu bejubeln. Deutlicher hätte das Zeichen nicht ausfallen können, das die Süle, Kimmich, Rüdiger und Gündoğan den Zuschauern im Stadion und daheim an den TV-Geräten zeigten: Wo die Liebe nicht frei ist, darf hochklassiger Sport, dürfen Siege und Torjubel nicht helfen, die Verhältnisse zu verkleistern. 

Das 1:2 gegen das zweitklassige Japan, es war der drastischste nur vorstellbare Protestakt gegen ein Turnier, mit dem schon allein wegen der Jahreszeit und der immer noch geltenden Gasmangellage im kalten Deutschland niemand so recht warm werden will. Gratismut? Eben nicht. Die „Hochtalentierten“ (Markgräsler Tageblatt) um den deutschen Messi Musiala hätten es sich einfach machen und gewinnen können. Doch was hätte das bewirkt? Wem hatte das geholfen außer der korrupten Fifa, die nichts mehr fürchtet als ein Endspiel zwischen dem Iran und Ecuador? So lange der Koran am Persischen Golf ganz andere und eindeutig menschenrechtswidrige Suren enthält als die deutsche Ausgabe, gibt es kein Vertun. Es muss etwas getan werden. Ein Zungenkuss im Mittelkreis? Eine Märtyrerpose? das erste Transouting eines Nationalspieler?

Wer die Binde nicht tragen darf

Feministische Fußballpolitik schon im Aufbauspiel, die Außen beide Links und die Mitte aus Angst vor Unterwanderung doppelt besetzt, so dass einer auf den anderen aufpassen kann. Wer den Love-Armreif aus Elastan nicht tragen darf, der aus Rücksicht auf kulturelle Eigenheiten der Araber die zuletzt noch in Ungarn mutig präsentierte Regenbogen-Binde zeichensetzend hatte ersetzen sollen, der muss zu anderen Mitteln greifen. Früh ausscheiden, schnell „heimreisen“, wie es offiziell genannt wird, wenn Kanzler oder Minister um die Welt fliegen! Zuvor hatte mit Argentinien ein anderer ehemaliger Weltmeister, der aus Doha schon fast ebenso sicher wie die DFB-Auswahl einen neuen Stern mit nach Hause nehmen sollte, ähnlich entschlossen bewiesen, dass sich viel erreichen lässt, wenn nur alle zusammen nicht mitmachen.

Für die Fifa sind die Nachrichten aus Gruppe E eine Katastrophe, der größte anzunehmende Unfall. Satte drei Prozent ihrer Gesamteinnahmen von 7,5 Milliarden Euro verdankt der „korrupte Weltverband“ (FR) den Zahlungen der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland, die alle privaten Konkurrenten überboten, weil sie sich des Interesses der Gebührenzahler bisher stets sicher sein konnten. Doch nun stehen die Zeichen auf Abschied, das Trommelfeuerwerk aus der deutschen Signalfabrik hat Fußballeuphorie in Gewissensbisse verwandelt und den einstigen Quotenhit Fußball-WM in einen Trauerfall. Wie die Supermarkkette Rewe, die ihren durch den DDR-Suppenskandal angekratzen Ruf mit einer Kündigung ihrer jahrelangen Partnerschaft mit dem DFB aufpoliert hat, werden sich ARD, ZDF, DPA, SZ, TAZ, FAZ und der übrige Buchstabensalat demnächst von der ehemaligen „Mannschaft“ trennen. 

Aus dem Jammern über die peinliche Niederlage könnte dann ein nationaler Jubel werden. Schließlich reichen die eingesparten Gebührengelder zumindest rechnerisch für mehr als 400 neue ARD-Intendanten (ohne Mietzuschuss).

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