Bundesbetriebsferien für Bäcker: Wie Bürger*nnen Robert Habeck beispringen

Klartext für eine verunsicherte Nation: Robert Habeck machte deutlich, dass die Bundesregierung nicht jeden kleinen Krauter wird retten können.

Der erste Montag im heißen Herbst, obwohl noch Sommer ist. Linke und Rechte im Schulterschluss gegen die demokratisch gewählte Bundesregierung und ihre großzügigen Entlastungs-  und Rettungspakete. Dann aber auch noch dieser Ausfall im öffentlich-rechtliche Fernsehen, das von der Kritik an bedauerlichen Einzelfällen von Nepotismus, Bereichungswahn und Nachrichtenregulierung bereist stromreif geschossen scheint.

In die Mangel genommen

Sandra Maischberger, ein Geschöpf des Gemeinsinnfunks, verlor ihre Rolle als Stichwortgeberin im Gespräch mit Wirtschafts-, Klima- und Energieminister Rober Habeck völlig aus dem Blick. Stattdessen gefiel die 56-Jährige sich als eine Art Verhörbeamtin, die den angeblichen „Habeck“ auf dem Stühlchen vor sich nach Kräften in die Mangel nahm.Vor allem auf wirtschaftliches Glatteis versuchte Maischberger den Mann zu locken, der als Gast gekommen war. Die altbewährte Fernsehfrau war offenbar gebrieft worden, sie wusste genau, dass Robert Habeck Philosophie studiert hat, nicht Ökonomie, so dass er zu wirtschaftlichen Fragen oder Zusammenhängen kaum aussagefähig ist

Der Plan Putins ging auf. Der Hass gegen Robert Habeck überschlug sich, angeheizt von einem missverständlichen Video, das verschweigt, wie Maischberger sich dumm stellt, um dem arglosen Habeck Ansichten zu Fragen der Betriebsferien, der Betriebsaufgabe und zur Inflationsdefinition zu entlocken. Stark verkürzt, reißt der Filmschnipsel, der auch von russischen Bots verbreitet wurde, die  Aussagen des beliebtesten deutschen Politikers aus dem Zusammenhang: Habeck ist wie immer brutal ehrlich, er kommuniziert authentisch, so, wie es die Wählenden lieben. Ihm ist aber gar nicht „egal, was meine deutschen Wähler denken“.

Das Leid als Amtsträger

Habeck möchte gemocht werden, in seinem Leid als Amtsträger aber auch verstanden. Wo ihm die Worte fehlen, Fachbegriffe vielleicht, die niemand versteht, oder mal ein Nebensatz, der zur Kaskade wird wie bei Olaf Scholz, da zeigt sich Robert Habeck verletzlich. Und genau da schlagen die Psych-Ops-Strategen der Rechtsextremen zu, dort hinein, in dieses kleine Feld des Zweifels, ob die da in Berlin noch wissen, was sie tun, schickt der Kreml seine gefrüchteten Deep Fakes.

Putin kämpft mit allen Waffen. Erst wurde der deutsche Zeitplan zu Ausstieg aus Russen-Öl und Russen-Gas enorm beschleunigt. Dann wurde Baerbock diskreditiert. Nun Robert Habeck. Eine Rechnung der russischen Medienkriegsstrategen, die jedoch nicht aufgehen wird. Noch am Nachmittag nach dem gezielten Hochpeitschen des Shitstorms durch den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz, der im Deutschen Bundestag offen Reklame für die Verhöhnungskampagne machte, trafen in Berlin die ersten Ergebenheitsadressen aus der gesamten Republik ein. 

Dankbare Braunkohlekumpel

Robert, wir stehen hinter Dir, heißt es da, Robert, mach weiter so. Rentner, Hamburger, Solarkraftwerkbetreiber, der Verband der Lastenradliebhaber (VdLL), die Initiative Mittelstandhalten e.V. aus Plauen, Schulklassen, Arbeitskollektive aus den dank Habecks Entscheidungen wiederangefahrenen Braunkohlegruben – sie alle zeigen sich solidarisch, sie alle zeigten Verständnis für Habecks Entscheidung, in den kommenden schweren Jahren nicht jeden kleinen Krauter mit Geldern retten zu können, die dem Staat gehören. 

Mit seiner Idee der Bundesbetriebsferien etwa für Bäcker und Backende, die so lange dauern, wie die hohen Preise das Backen verunmöglichen, hat Habeck einen praktikablen, die Sozialkassen schonenden und energiesparenden Weg vorgeschlagen, Backstuben quasi in den von der Kernkraftindustrie bekannten Cold-Storage-Zustand zu versetzen. Sie dienten damit als eine Art Notreserve für den Fall, dass die Zeiten wieder besser werden, müssten aber keinen Konkurs anmelden, weil sie kein Minus machen.

Deutlich wird angesichts der gesellschaftlichen Breite und Buntheit der Grüße, Glückwünsche und aufmunternden Worte an die Adresse Habecks, dass der Eindruck von schwindendem Vertrauen der Volksmassen in die klugen Entscheidungen der Regierung schwindet. Der Mannes, der nahezu im Alleingang dafür gesorgt hat, dass es Deutschland mit Hilfe seiner Bereitschaft, jeden nur denkbaren Preis zu zahlen, gelang, die Erdgaspreise in astronomische Höhen zu treiben und die Notspeicher für den Winter zu füllen, genießt dieses Vertrauen weiterhin in höchstem Maße. Für ihn haben sie gemalt, gezeichnet, gedichtet, gesungen, ihm versichern sie, dass er sich auf ihre Solidarität verlassen kann.

Hart erarbeiteter Neid

Es sind Schlosser unter ihnen, Heizungsmonteure, auch Bäcker, Wirtschaftsexperten und Ökonomiespezialisten, Verkäuferinnen, Zahnarzthelfer, Zirkusmitarbeiter, Freibadkassierer, Soldaten, Lkw-Fahrerinnen und Lehrende. Die Menschen durchschauen, wie einer, der immer alles gibt, von Delegitimierer, Putin-Hörigen und Extremisten beider Seiten demontiert werden soll. Zu gut sind ihnen  die Fälle von Karl-Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff und Anne Spiegel noch in Erinnerung – drei Politikvertreter*innen aus Deutschland, die ebenso inniglich geliebt wurden wie Robert Habeck, die damit aber so viel Neid heraufbeschworen, dass sie am Ende den höchsten Preis zahlen mussten, weil sie eine Frau waren.

Beispielhaft steht dafür ein Gedicht, das Kinder und Jugendliche im Freizeittreff „Buratino“ im mecklenburgischen Saalitz am Werder spontan für den Familienvater, Minister und Umweltschützer Robert Habeck dichteten, als sie von den Angriffen im Internet erfuhren. Ihre Geschichte vom fliegenden Robert ist eine Allegorie auf einen Mann, der großes bewirkt, indem er sich selbst treu bleibt. Die Verse rühren zu Tränen, zeigen sie doch, wie weit unbeirrtes Festhalten an tiefen inneren Überzeugungen tragen können. 

Wenn der Regen niederbraust,

Wenn der Sturm das Feld durchsaust,

Bleiben Mädchen oder Buben

Hübsch daheim in ihren Stuben.

 

Robert aber dachte: „Nein!

Das muss draußen herrlich sein!“

Und im Winter rannte er

Ohne dem Regenschirm umher.

 

Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,

Dass der Baum sich niederbeugt!

Seht! Den Schirm erfasst der Wind,

Und der Robert fliegt geschwind

 

Durch die Luft so hoch und weit;

Niemand hört ihn, wenn er schreit.

An die Wolken stößt er schon,

Und der Hut fliegt auch davon. 

 

Schirm und Robert fliegen dort

Durch die Wolken immer fort.

Und der Hut fliegt weit voran,

Stößt zuletzt am Himmel an.

Wo der Wind sie hingetragen,

Ja, das weiß kein Mensch zu sagen.

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