Bundeskanzler Biden: Wie der alte Joe Deutschland regiert

Joe Biden, Naturkreide auf Hartholz, karamellisiert. Ausführung: Kümram

Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, einem völkerrechtlichen Abkommen, dem nicht nur die damalige Sowjetunion, sondern auch die USA, Großbritannien und Frankreich zustimmten, erlangte Deutschland sie wieder, die vollständige Souveränität, die es als Folge von Hitler hatte abgeben müssen. 45 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges durfte erstmals eine Bundesregierung wieder schalten und walten wie sie mochte. 

Kein Alliertendiktat vermochte mehr den Willen eines deutschen Kanzlers zu brechen, kein Präsident oder Diktator konnte die inneren Angelegenheiten der Deutschen mehr von außen bestimmen. Eine Ausnahme blieben die Kernwaffen der US-Streitkräfte, die irgendwo in der Eifel liegen, aber zum Glück nicht offiziell, so dass niemals einmal jemand fordern musste, sie umgehend außer Landes zu bringen.

Schröders Probe aufs Exempel

Deutschland war sein eigener Herr, treu als Verbündeter und zahlungskräftig sowieso. Als Gerhard Schröder die Probe aufs Exempel machte und seinem damaligen US-Kollegen George W. Bush die Gefolgstreue auf dem Marsch in den Irak kündigte, jubelten die Marktplätze: Sehr ihr, Amis, so wird das gemacht! 

Deutschland war wieder wer, eine Weltmacht der Moral zumindest, wirtschaftlich so stark und gesund, dass niemand seine Regierung zu irgendetwas zwingen konnte. Zwei Prozent fürs Militär? Angela Merkel schmunzelte nur und veranlasste, dass deutsche Wasserpumpenlieferungen für den Sudan als friedenserhaltende Maßnahmen in die Militärausgaben eingerechnet werden. Donald Trump tobte vor Wut. 

Kleiner fremden Macht Knecht

Aber in Berlin wurde der „Hassprediger“ (Steinmeier) nur ausgelacht. Deutschland war souverän. Kleiner fremden Macht Knecht. Herr auf eigener Scholle. König eigener Herd. 

Es musste erst Joe Biden kommen, der daheim unter epochalem Versagensdruck stehende Präsident der Nach-Trump-Ära, um klarzumachen, dass Souveränität nicht grenzenlose Eigenverantwortung bedeuten kann. Die USA haben Deutschland nicht vom Hitlerjoch und von der sowjetischen Fremdherrschaft befreit, um das Mündel nun blind, taub und stumm ins nächste Debakel laufen zu lassen. Es braucht amerikanische Hilfe, Beratung, amerikanische Entscheidungen. Daran hat Joe Biden beim Besuch von Olaf Scholz in Washington keinen Zweifel gelassen. 

Plan zur Unterminierung

Der Demokrat, den ohnehin 90 Prozent der Deutschen gewählt hätten, hätte er doch nur zur Bundestagswahl kandidiert, regiert nun auch in Berlin. Endlich Führung, endlich klare Kante. Nord Stream 2, diese raffinierte russische Falle zur Unterminierung der Demokratie in Deutschland durch eine Unterseeleitung in der Ostsee, werde gestoppt „wenn Panzer und Soldaten die Grenze der Ukraine einmal mehr übertreten“, legte der 79-jährige Bundeskanzler im Streit um das „privatwirtschaftliche Großprojekt“ (Olaf Scholz) abschließend fest.

Die teilstaatliche Werbeplattform T-Online erkennt ein klares Signal, wenn sie es sieht. Mit der Übernahme der Gesamtverantwortung über Wohl und Wehe der Gasversorgung in Deutschland habe Biden dem nur mehr numerischen Bundeskanzler „den Rücken gestärkt“, analysieren Bastian Brauns und Fabian Reinbold aus Washington. Endlich. Nun ist Scholz, den viele Bürgerinnen und Bürger im Land für die hohen Energiepreise mitverantwortlich machen, die Last los. 

Kanzlers Heizung bleibt kalt

Der Kanzler kann nun nichts mehr dafür, wenn die Heizung kalt bleibt, der Tank leer oder das Licht aus. Joe Biden hat ein Machtwort gesprochen, als er sagte, dass er Nord Stream „ein Ende bereiten“ werde, wenn „Russland einmarschiert“. Wie genau die USA in der Ostsee vorzugehen gedenken, wurde noch nicht verraten. Aber auf die Frage, wie das Milliardenprojekt sich nun noch stoppen lasse, wo es doch fertig gebaut sei, bemerkte der US-Präsident zuversichtlich: „Wir werden es schaffen.“

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