Der Omikron-Angriff: Falsch geimpft und doch genesen

Das AstraZeneca-Rätsel: Warum scheinen die mit dem britisch-schwedischen Impfstoff gepiksten Briten vor schweren Folgen der vierten welle besser geschützt als die Biontech-Nation Deutschland?

Die große Krise ist zurück. Reihenweise muss Deutschland Nachbarstaaten zu Hochrisikogebieten erklären, reihenweise wird Deutschland selbst zu einem erklärt. Die Grenzschranken gehen herunter, vorerst für Ungeimpfte, später dann für Ungeboosterte. Niemand im Land weiß, wer, was und wie das ominöse Omikron eigentlich ist jene zweite südafrikanische Variante, die von der WHO nach langen Abwägungsprozessen doch nicht nach dem griechischen Buchstaben Xi benannt wurde, der eigentlich drangewesen wäre. Sondern nach dem kleinen O, das nach den ursprünglichen frühestens die Mutante der 13. Welle hätte bezeichnen dürfen.  

„Irrationale Angst“

Die Furcht aber ist groß, der „irrationalen Angst“ (Markus Söder) vor dem Unbekannten folgen ganze Parteien, Koalitionen, Redaktionen und Sendeanstalten. Es wird nicht sequenziert, sondern vorsorglich gleich eine neue Panikwelle orchestiert. Der Blick nach England hilft, mit dem Schrecken wirtschaften. Explodierende Zahlen. Erschütternde Aussichten. Millionen Neuinfektionen. Täglich. Auch Dänemark lässt gruseln. Etwas Fürchterliches naht. Die Sorgen sind „groß“. Selbst „Kliniken“, im Regelfall große Bautwerke aus Stein, „blicken mit Sorge“ auf die neue Variante (ZDF). Ob die neuen Kreuz-Cocktail-Booster vielleicht zu wirken vermögen? Oder aber nur 40-fach weniger? Oder nur noch stundenweise?

Viel hilft viel und noch mehr ist besser. Dank der Hartnäckigkeit der EU siegte die Gemeinschaft früh über den an Nebenwirkungen reichen Impfstoff von AstraZeneca, einem Unternehmen, das womöglich gar nicht zufällig beheimatet ist in zwei Nationen, die alles immer anders machen als Deutschland, das Land, das bisher so gut durch die Krise kam. Seitdem werden in Deutschland nur noch Biontech, Moderna und Johnson von Janssen verwendet. Nicht nur politisch ein riesiger Erfolg, der die transatlantische Partnerschaft stärkte und die Abhängigkeit der EU vom perfiden Albion verringerte. Auch gesundheitspolitisch griff die Maßnahme durch: Schlagartig verschwanden alle Schlagzeilen über die gefürchteten Hirnvenenthrombosen.

Die verschwundenen Thrombosen

Ein Wunder fast, denn bis März hatten sich die gemeldeten Fälle fast 1:1 auf den Impfstoff von AstraZeneca und auf den von Biontech verteilt. Auf eine Million Geimpfter bei Biontech kamen vier Fälle, bei AstraZeneca waren es fünf. Der AstraZeneca-Boykott der EU war aber dann offenbar beiden Vakzinen eine deutliche Warnung: Seit dem Beschluss, alle vorhandenen Vorräte an dem als gesundheitsgefährlich vor allem für Jüngere erkannten Astra-Impfstoff nach Afrika zu spenden, einem besonders jungen, aber auch besonders armen Kontinent, kam kein neuer Fall mehr dazu. Auch nicht bei Biontech-Impfstoff. Jedenfalls nicht in Deutschland. Aber auch nicht bei AstraZeneca, 

Nicht in Afrika und nicht in Großbritannien, wo man aus verblendetem Nationalstolz trotz der drohenden Gefahr weiter festhielt an seinem selbstgezusammengerührten Todes-Vakzin. Mit Folgen, die das Magazin „Spiegel“ als Chronist aller „Corona-Wunder“ und „Corona-Rätsel“ wahrscheinlich schon demnächst im Kleingedruckten vermelden wird. Wie die Zahlen des Covid-19-Dashboards der Johns-Hopkins-Universität zeigen, scheint das inzwischen „Vaxzevria“ genannte Vakzin von AstraZeneca in der vierten und anlaufenden 5. Welle ganz ungewöhnliche Nebenwirkungen zu haben: Während in Deutschland, wo nur etwa sieben Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit dem Impfstoff der Universität Oxford beinahe krankgespritzt wurden, mit steil steigender Inzidenz auch die Zahl der Todesopfer in die Höhe schießt, geschieht das in Großbritannien bisher nicht.

In Großbritannien wird weniger gestorben

Obwohl sich dort – ebenso wie in Deutschland  – die Infektionszahlen seit dem Sommer nahezu verdreißigfacht haben, verharren die britischen Sterbezahlen bislang und trotz der Regierungskrise um den UK-Trump Boris Johnson stabil bei unter 1.000 pro Woche. Das sind zwar zehnmal mehr Tote als im friedlichen Seuchensommer. In Deutschland aber hat sich die Zahl der an und mit Vorona Verstorbenen im selben Zeitraum verzwanzigfacht. 

Ist der Brite nun – wie es etwa der Inder ist oder der Brasilianer  – grundgenetisch besser geeignet, mit der „neuen Lungenerkrankung“ (DPA) fertigzuwerden? Oder ist er – wie der typische Südafrikaner Omikronese – einfach jünger, sportlicher und unbekümmerter im Umgang mit neuen, tödlichen Mutanten? Oder liegt es doch am Impfstoff: Immerhin 58 Prozent der Impfungen im Vereinigten Königreich erfolgten mit dem kreuzgefährlichen Vaxzevria, ein deutlicher Unterschied zu Deutschland, wo der von deutschen Wissenschaftlern mit Unterstützung der deutschen Regierung entwickelte deutsche Impfstoff von Biontech nicht nur Teil eines neuen Nationalstolzes, sondern auch erste Wahl bei Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen ist. 

Deutliche Diskrepanz

Biontech dominiert hierzulande mittlerweile eindeutig. Bis zum 10. November 2021 waren dem Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit etwa 112 Millionen verabreichte Impfdosen gemeldet worden, davon entfiel der Löwenanteil von 88 Millionen auf den Biontech-Wirkstoff. Nur etwa 13 Millionen Mal wurde – am Anfang, als der Impfstoff noch als absolut sicher und vollkommen unbedenklich galt – AstraZeneca verwendet. Insgesamt nur zehn Millionen Dosen von Moderna wurden verspritzt, Johnson&Johnson kam auf knapp 3,45 Millionen.

Die Diskrepanz ist deutlich, sie ist bemerkenswert und sie war dennoch bisher kein Anlass für irgendein deutsches Leitmedium, sie zur Kenntnis zu nehmen und einen aus der Vielzahl der epidemiologischen Wellenreiter um eine Erklärung zu bitten. Wie schon nach dem abrupten Abebben der Hirnthrombosehysterie nach dem Ende des EU-Feldzuges gegen AstraZeneca gebietet es die Staatsräson im Moment einer schattenhaft heraufziehenden Gefahr,  die Menschen nicht weiter mit widersprüchlichen Informationen zu verunsichern. Die Reihen schließen. Die Argumentation abstimmen. Mit einer Stimme sprechen vom Bundestag bis zum letzten Lokalblatt. Jetzt muss alle Kraft der aktuellen Angst gelten, die anstehende Hoffnungslosigkeit der Situation und die Aussichtslosigkeit allen Kampfes muss beschrieben, begründet und nicht infragegestellt werden.

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