Die Dusch-Taliban: Nicht nur sauber, sondern rein

Wer duscht, hilft dem Russen, Deutschland in Unmündigkeit zu halten. Nur ein Umstieg auf den guten alten Waschlappen führt zu spürbaren Einsparungen von Erdgas.

Die Lieferketten beschädigt, die Europäische Zentralbank paralysiert, Krieg im Osten und Uneinigkeit im Westen, Widerstand gegen harte und entschiedene Sanktionen sogar im Süden, obwohl die das einzige Mittel sind, mit dem die Demokratien der Welt den russischen Aggressor in die Knie zwingen können. Es kämen nun „drei, vier, vielleicht fünf Jahre der Knappheit“ auf die Deutschen zu, hat Bundesfinanzminister Christian Lindner angekündigt, obwohl das Teile der Bevölkerung verunsichern könnte. Doch Transparenz und Offenheit, sie sind das letzte Mittel in Zeiten der Beschwernis, klare Worte und deutliche Botschaften müssen helfen, wo der Staat nicht mehr alle und jeden retten kann. Und schon gar nicht die, „die ein sehr hohes Einkommen haben„, wie Sozialminister Hubertus Heil sehr deutlich gemacht hat.

Sparen in der Not

Es gilt, durchzuhalten, bis 2030 alle Ausstiegsziele bei der Energieerzeugung erreicht sind. Es gilt, zu sparen in der Not, denn da hat man Zeit, wie ein altes tschechisches Sprichwort empfiehlt. Bundesklimawirtschaftsminister Robert Habeck hat dazu vielerlei Anregungen gegeben: Gas, was heute nicht verbraucht wird, kann später zu noch höheren Preisen erworben werden. Wasser, das nicht vergossen wird, hilft gegen die Dürre. Ein neuer Margening-Rettungsschirm bekämpft mit 100 Milliarden die Inflation. Eine Absenkung der Mindesttemperatur in Wohnungen, überwacht und geregelt durch fernwartbare neue digitale Thermostate, würde vielen Menschen auch gerade im aktuellen Klimasommer helfen.

Doch nicht überall ist die Einsicht schon da, dass es einer kollektiven Anstrengung bedarf, an der Energiefront die Stellung zu halten. „Focus“-Gründer Helmut Markwort hat sich offen gegen die Regierungsappelle gestellt. Trotz der Mahnungen des „Aktualitätsphilosophen Robert Habeck“ habe er ausgiebig geduscht, teilte Markwort mit. Er empfinde darüber auch keine Duschscham. In dieselbe Kerbe schlug Klaus Müller, als Chef der Bundesnetzagentur oberster Gasmangelverwalter und erste Gerichtsinstanz der kommenden Energietriage. Ob man tatsächlich sieben Mal die Woche duschen müsse, das sei eine Frage, die man sich im Ernstfall „noch einmal stellen müsse“. 

Robert Habecks falscher Rat

 

Selbst Robert Habeck versagte beim Versuch, die Deutschen und ihre Gäste zur Sparsamkeit anzuhalten. Er habe in seinem Leben „noch nie fünf Minuten lang geduscht“, offenbarte der beliebteste Politiker Deutschlands in einem Satz von typisch habeckscher Tiefe, der offen lässt, ob Habeck die Dauer aller Duschen seines Lebens gestoppt hat, Buch über sie führt oder sich an jede einzelne auch so genau erinnert. Oder ob „noch nie fünf Minuten geduscht“ bedeutet, dass er zwar schon vier Minuten und 59 Sekunden und sechs, sieben und 70 Minuten unter der Dusche stand. Aber eben noch niemals genau fünf Minuten.

Für den sächsischen Energieausstiegsexperten Herbert Haase ist das aber auch gar nicht die Frage. Prinzipiell leiteten Robert Habeck, Klaus Müller aber auch die freiwilligen Fußsoldaten der Duschzeitverkürzungsdebatte „unsere Menschen in eine völlig falsche Richtung“, so der Biophysiker, der am Climate Watch-Institut (CLW) forscht, das unter Kanzlerin Angela Merkel im Rahmen der Bundesbehördenansiedlungsoffensive zur Minderung von Härten im Osten in Grimma angesiedelt worden war. 

Ohne an künftige Generationen zu denken

Nicht nur in Deutschland, sondern in sämtlichen Hochzivilisationen des Abendlandes lasse sich ein großer Teil des täglichen Energieverbrauchs auf die Körperhygiene zurückführen, so Haase. Da werde gebadet, ohne an künftige Generationen zu denken, obwohl eine Badewanne 150 bis 180 Liter Wasser verschlinge. Oder werde wie von Robert Habeck und Klaus Müller behauptet, dass Duschen eine ökologisch und energetisch vorbildliche Alternative darstelle, weil dabei nur rund 15 Liter pro Minute in den Ausguß fließen.

Duschforscher Haase ist über solche grundfalschen Ratschläge enttäuscht, aber auch ein wenig empört, wie er betont. „Selbst wer beim Einseifen das Wasser abstellt und so angeblich weitere 30 Prozent einspart, verbraucht weiterhin 70 Prozent zu einem Zweck, den es nicht braucht“, sagt er. Auch die Verwendung sogenannter sparsamerer Duschköpfe, das von Habeck propagierte kürzere Duschen oder Müllers Anregung, nicht mehr täglich zu duschen weist Herbert Haase entschieden zurück. „Die Dusche verbraucht, zusammen mit der Badewanne, in einem Haushalt das meiste Wasser“, haben er und seine Kolleg*innen ausgerechnet, „hier konsequent zu sparen, bedeutet, diese energieverschlingende Praxis einzustellen, die nachweislich keinerlei Nutzen hat.“

Duschsucht wie Drogensucht

Nicht nur, dass ein geduschter Mensch schnell wieder schmutzig werde, so dass er vergleichbar einem Drogensüchtigen das Bedürfnis entwickle, erneut zu duschen. „Egal ob beim Baden oder Duschen, jedes Mal werden durch das Wasser Bakterien von der Haut gespült“, sagt Haase und verweist auf mehr als 10.000 Bakterienarten, die sich auf gesunder Haut tummeln. Jede Dusche tötet Millionen von ihnen, schwächt die menschliche Hautflora und öffnet die Tür für gefährliche Krankheitserreger. „Das ist ein hoher Preis, den Duscher bei hohen Gaspreisen zahlen.“

Mit neutralisiertem Säurefilm auf der Haut und hohen Rechnungen für die verbrauchten Kontingente Russengas müssen auch Kurzduscher wie Robert Habeck rechnen. Dabei benötigt das größte Organ des menschlichen Körpers eine derartige äußere Reinigung eigentlich nicht. Herbert Haase, der auch Dermatologie und Osmose lehrt, verweist auf jahrtausendelange Erfahrungen: „Für eine gute Körperhygiene und eine geschmeidige Haut sorgt der Körper selbst“. Um zivilisatorisch unerwünschte Gerüche zu vermeiden, reiche es aus, auf die bewährten Strategien früherer Generationen zurückzugreifen, die noch im Einklang mit der Natur gelebt hätten. „Damals wurden die Zonen mit der jeweils höchsten Dichte an Schweißdrüsen und Bakterien mit einem sogenannten Waschlappen ausgewischt.“ 

Klimakritische Zivilisationspraxis

Eine Zivilisationspraxis, die durch die aus den USA kommende Erfindung der Dusche verlorengegangen sei. „Dusch-Taliban“, nennt Haase die Täglichduscher, die danach strebten, nicht nur moralisch sauber, sondern auch körperlich absolut rein durchs Leben zu gehen. „Viele Haushalte heute besitzen nicht einmal mehr Waschlappen, viele junge Menschen haben noch nie von ihnen gehört“, klagt Haase. Dabei sei nachgewiesen, dass das Abwischen von Achselhöhlen, Händen, Füßen und des Intimbereiches mit einem wiederverwendbaren Lappen im Vergleich zum Duschen 14,7 Liter Wasser spare, das damit auch nicht teuer und auf Kosten des Klimas erwärmt werden müsse.

Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Gesellschaft für osmotische Dermatologie (GOD) ist könne er Befürchtungen beruhigen, dass es dadurch zu Langfristschäden komme. „Unter hygienischen Gesichtspunkten ist es völlig in Ordnung, sich überhaupt nicht extern zu reinigen“, sagt Haase, „denn ein gesunder Körper erledigt das von selbst, wenn man ihm zwei, drei Monate Zeit zur Umstellung lässt.“ Nur die schwitzenden Körperstellen gezielt mit einem Waschlappen abzuwischen, sei aber ein guter Kompromiss, um Erdgas zu sparen.

Rückkehr zum Waschlappen gegen Putin

In der Auseinandersetzung mit Russland zähle jeder einzelne Waschlappen: „Durchschnittlich werden beim Duschen etwa zwölf bis 15 Liter Wasser pro Minute verbraucht, um das Wasser zu erwärmen, benötigt allein Deutschland 200 Milliarden Kilowattstunden Energie am Tag.“ Hier gelte es anzusetzen und einen Schlussstrich zu ziehen. „Nicht kürzer Duschen ist das Gebot der Stunde, sondern ein schneller Duschausstieg.“

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