Finalflug mit dem Zug: Die Titelreise des Bundeskanzlers

Der „Schulz-Zug“ ist Legende, aber auch Olaf Scholz zeigt sich gern als Bahnfahrer.

Endlich wieder Siege, endlich wieder Weltmacht. An den deutschen „Frauenfußballerinnen“ (Bernd Schmelzer) ist es in diesem heißen Klimasommer, den angeschlagenen Ruf der früheren Vorbildnation zu polieren. Die Damen taten, was sie konnten, um den Fans daheim das Gefühl zu geben, ein bisschen sei es doch noch wie früher: 22 Spieler jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen. 

Triumph des Willens

Schuss, Tor und Sieg. Nach einer Leichtathletik-WM, die tief nachts unter Ausschluss der Öffentlichkeit und dann auch unter nahezu vollständigem Ausschluss deutscher Medaillengewinner stattfand, gab das Damen-Turnier in England daheim Millionen Menschen Hoffnung. Bis ins Finale kämpften sich die „deutschen Frauen“ (ARD), ein Triumph des Willens und eines „Mannschaftsgeistes“, der das „You’ll never walk alone“-Versprechen des Bundeskanzlers von der Frostfront auf den grünen Rasen bringt. 

Beim historischen Finale im Wembley-Stadion darf der Vorkämpfer für eine einheitliche Bezahlung von Fußballern und Frauenfußballerinnen nicht fehlen darf. Scholz „reist“ (AFP) zum Endspiel an, gemeinsam mit Innen- und damit Sportministerin Nancy Faeser, die wohlbehalten aus der Ukraine zurückgekehrt ist. Scholz selbst wurde zu seinen Reiseplänen sogar noch konkreter: Er werde nach London „fahren“, schrieb der Kanzler bei Twitter, offenbar, um vorbeugend dem Verdacht zu begegnen, er habe einen Flug geplant. 

Flug-Gerücht aus München

Fake News. In Zeiten der Energiekrise, des allgemeinen Flughafenchaos und der Aufrufe, dem Klimaschutz auch in der persönlichen Lebensführung mehr Augenmerk zu schenken, fürchtet das Kanzleramt womöglich kritische Schlagzeilen, wenn im Land überall die Lichter ausgehen, der Regierungschef sich aber einen schnellen Spaßtrip über den Kanal gönnt, der im offiziellen Dienstkalender des Kanzlers gar nicht vermerkt ist . Nach einer ersten journalistischen Fehlleistung des Münchner „Merkur“, der das Gerücht von Final-Flug ohne Bezug auf irgendeine amtliche Quelle in die Welt gesetzt  hatte, gelang es, die Formulierung wieder einzufangen. Seitdem „reist“ oder „fährt“ Scholz.

Der SPD-Politiker setzt damit ein weiteres Mal ein Zeichen. Bereits nach Kiew hatte er den Zug genommen – und war dabei wohl auf den Geschmack gekommen. Dabei dauert die Zugfahrt von Berlin nach London stolze 16,5 Stunden. Insgesamt werden der Kanzler und seine Begleitung damit für 90 oder auch 120 Minuten Fußball plus eines möglichen Elfmeterschießens 990 Fahrminuten unterwegs sein, und das ohne Neun-Euro-Ticket.

Ein langer Weg zurück

In Berlin zur Verfügung stehen wird Olaf Scholz dadurch aber frühestens am späten Montagabend. Der erste Zug zurück in die deutsche Hauptstadt startet erst am Montagmorgen auf dem Londoner St. Pancras International-Bahnhof, er trifft kurz nach 19 Uhr in Berlin ein.

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