Hilfe, Bill Gates will die nächste Pandemie verhindern…

Bill Gates: Er liest auch viel, zum Beispiel Bücher, in denen man lernt, wie man mit Statistik lügt (Screenshot).

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Wenn Bill Gates ein Buch schreibt, muss man sich dies wohl bald als seriellen Vorgang vorstellen. Letztes Jahr erklärte er der Welt, wie der Klimawandel zu besiegen ist. Das weiß der philanthropisch umtriebige Techmilliardär und aktivistische Weltverbesserer vermutlich besonders gut, seitdem er in neue Kernkraftwerke investiert ist. Jetzt folgt ein Buch des Impfstoffgroßinvestors darüber, wie es die nächste Pandemie zu verhindern gilt. Kein Weltproblem scheint Bill Gates zu gross zu sein, keine Lösung zu verwegen, kein Geschäftsmodell zu weit weg. Was kommt als nächstes? Da er inzwischen auch der größte Eigentümer von Agrarflächen in den USA ist, und zugleich Großinvestor in gentechnisch veränderte Fleischersatzprodukte, müsste wohl bald ein Buch darüber erscheinen, wie man den Hunger auf der Welt besiegt.

Gates will eine Pandemie-Feuerwehr

Im vorliegenden Buch (“Wie wir die nächste Pandemie verhindern”) lautet die Botschaft: Alle Mann zu den Waffen gegen die Viren! Das Buch ist eine Art Marschbefehl, eine Proklamation der allgemeinen medizinischen Mobilmachung. Wie das geht? Nun, zum Beispiel durch einen neue Pandemie-Feuerwehr aus 3000 WHO-Experten (GERM), die unabhängig von einem Mitgliedstaat oder entgegen dessen Einschätzung eine Pandemie ausrufen können. Gates will deutlich an die weltweite Gesundheitsinfrastruktur ran. Dazu passt flankierend der Pandemiepakt der WHO, der zur Ausweitung von Befugnissen des WHO-Präsidenten führen soll. Man sieht recht deutlich, wohin die Reise geht: Souveränität aushebeln und von oben nach unten durchbestimmen. Ein bisschen Notverordnung hier, ein bisschen Ausnahmezustand dort: fertig ist die gesundheitspolizeiliche Besatzung. Und wer nicht spurt? Nun ja, man sah es zum Anfang der Covid-Krise bei Weißrussland: dem maßnahmenunwilligen Diktator musste erst ein zahlungsunwilliger Internationaler Währungsfonds Beine machen. Mehr Macht für so wenige gab es selten in der Geschichte. Das neueste Buch hielt kürzlich auch gleich lobend der Chef der Weltgesundheitsorganisation bei Twitter hoch.

Gates ist kein normaler Autor. Dies ist kein normales Buch. Spätestens seit der Pandemie ist Bill Gates auch ein weltweiter Influencer und Policymaker. Er sponserte Journalismus wie kein anderer über seine Stiftung, über 300 Mio. Dollar ließ er mit der Gießkanne über die Medienwelt ausschütten. Er hat einen eigenen Blog, einen eigenen YouTube-Kanal, er spricht auf Ted-Talks, er «publiziert» Bücher. Ob er viel davon selbst schreibt, kann man bezweifeln. Was zählt, ist ohnehin die Botschaft. Und Bill Gates hat nicht nur eine Botschaft, sondern auch eine große Portion Sendungsbewusstsein. Er weiß, was in der Welt zu tun ist und sitzt zugleich an einem der weltweiten Schalthebel: zweitgrößter Spender der WHO, Organisator eines gewichtigen Teils des weltweiten Impfgeschehens, von Polio über Malaria zu Covid-mRNA und zugleich Großinvestor in Impfstoffhersteller, wie Biontech. Die Erfindung «Lockdown», der wohl bisher erfolgreichste Export der Kommunistischen Partei Chinas an die Welt, fand seinen Beifall.

Tipps vom obersten Pandemie-Profiteur

An diesem Buch ist so gut wie nichts überraschend, wenn man Bill Gates etwas kennt. Weder der Inhalt noch der spröde-schlaumeiernde Think-Tank Sprech oder der megalomane Veränderungswille. Viel mehr überrascht einen, wie lange die Medien nun schon einen medizinischen Laien als Weltexperten durch die Manege ziehen lassen, ihn hofieren und an seinen Lippen hängen ohne kritische Fragen über seine Rolle zu stellen. Dieses Buch gäbe einige Gelegenheit dazu: Gates Buch ist im Grunde eine einzige große Werbetrommel für seinen Geschäftsbereich der sanitären Machtausweitung: Schnelle Einsatztruppe, ganz viele Übungen und Planspiele, antizipierend Impfstoffproduktion hochfahren, neue Technologien erproben, Budget erstellen, massiv in den Gesundheitssektor investieren.

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Er selbst geriert sich in seinem Buch als Vordenker eines zunehmend übergriffigen globalen Gesundheitsmanagements von Seiten der WHO. Die Welt soll bitte glauben, all das sei eine Art philanthropische Katastrophenhilfe. Weil die Welt es so nötig hat: Covid-19 war für Bill Gates ein Ereignis wie der Zweite Weltkrieg. Eine Zäsur der Zeitläufte in Davor und Danach. Zugleich bezeichnete er das Virus zuletzt als kaum gefährlicher als die Grippe und als «nicht sehr tödlich». Aber wer weiß ja, was noch kommt? Bill Gates verlangt viel von der Welt für einen Konjunktiv.

Wer Verkündungsprosa mit Dr. Seltsam-Charme und Eigen-PR gut findet, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Allen anderen sei gesagt: keine Sorge, Herr Gates from America wird sich euch sicher noch anderweitig ins Gedächtnis bringen. Denn wer die Feuerwehr dirigiert, das Löschwasser verkauft und auch noch nah am Alarmknopf sitzt, könnte in der nächsten Zeit einiges zu erzählen haben.


Bill Gates: Wie wir die nächste Pandemie verhindern, Piper Verlag. 337 S., Fr. 37.90. Die Rezension erschien zuerst in der Weltwoche.

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