Lasst die Anthroposophen in Ruhe!

Aber in der Schweiz würde doch nichts passieren, oder? Das erste Goetheanum in Dornach ging 1922 in Flammen auf, der Fall ist bis heute ungeklärt. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen (Bild: Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=481154)

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Es ist so überdeutlich, dass es schmerzt: Es läuft eine widerliche mediale Kampagne, ja eine Hexenjagd gegen Anthroposophen und die Anthroposophie als geistige Bewegung insgesamt. Dass Ungeimpfte oder Impfgegner in die Mangel genommen werden, genügt den Medien und der Politik scheinbar nicht mehr. Sie sucht sich einen leicht und billig zu verspottenden Sündenbock. Warum nicht Leute, die ihren Namen tanzen?

Der Andersartige muss schuld sein

Die Anhänger der Geisteswissenschaft Steiners (von der man gerne halten will, was man möchte) sind als Sündenbock ideal. Alternative Bildung, alternative Heilmethoden, alternative Landwirtschaft, überhaupt, das gesamte alternative Leben, das sich an ideellen Werten, der Weisheit der Natur, der Unendlichkeit des Kosmos orientiert, kann so nun lächerlich und mit der Walze des rational-materialistischen Mainstreams platt gemacht werden. Hinzu kommt der Hauch von Obskurität und Geheimnis. Was den Leuten fremd ist, das fürchten sie bekanntlich besonders. Parallelen zu historischen Vorgängen sind dabei natürlich rein zufällig und unbeabsichtigt. Denn die Hetzjagd kommt ja diesmal von «den Guten».

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«Ist die deutsche Romantik schuld an der Impfskepsis?» fragte sich der ehemalige Chefredaktor der NZZ am Sonntag, aber meinte eigentlich die Anthroposophie. Im Tenor geht es immer in die gleiche Richtung, egal ob in der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel oder im Bayerischen Rundfunk: im Kern ist das Querdenkertum anthroposophisch, Waldorfschulen sind Hotspots, Steiner war ein Rassist. So baut man sich den Strohmann, den man braucht, um jegliche Kritik an Corona als rechtsesoterisch, verschwurbelt und antisemitisch zu etikettieren. Der Mainstream braucht die monolithische Corona-Querfront! Die Anstalt im ZDF witzelte über das «Virus Anthroposophie» und versuchte gleich ein ganzes Schwurbler-Netzwerk offenzulegen und Mai Thi Nguyen Kim, die öffentlich-rechtliche Einpeitschhilfe für die Impfkampagne, durfte noch die Demeter-Landwirtschaft als unwissenschaftlich verteufeln.

Erich Fromm hatte schon vor Jahrzehnten vorhergesagt, dass irgendwann mit dem wissenschaftlichen Weltbild argumentiert werden würde, um aus dem Rationalismus eine Religion zu machen, welche automatisch alle, die nicht oder nicht ausschließlich an die durch den Mainstream genau festgelegte Version von Wissenschaft glauben, in die Nähe der Psychopathologie rückt. Dieses Muster ist überdeutlich auf Ausgrenzung getrimmt, sorgt aber gerade am wenigsten bei denen für einen Aufschrei, die sonst gerne so heuchlerisch für Diversität, Buntheit, Inklusion und Minderheitenschutz trommeln. Sie zeigen jetzt in der Stunde der Bewährung ihr wahres Gesicht.

Gutmenschen & Geheimdienste

«Wie konnte es nur soweit kommen?» ist die Paradefrage all derer, die in der Gegenwart blind sind und in der Zukunft als naiv durch gehen wollen. Jeder weiß, spätestens mit einem Blick in ein Geschichtsbuch, Stichwort «Bartholomäus-Nacht» (um mal keine Beispiele aus der neueren Geschichte zu bemühen), wohin es führt, wenn bestimmte Gruppierungen als Sündenbock aufgebaut werden. Der Mechanismus ist immer der gleiche. Eine Gruppe wird als Bedrohung für die Ordnung ausgemacht und bekämpft, bis aufs Blut. Im mittelalterlichen Frankreich war es der Protestantismus, der die Macht der Krone in Frankreich bedrohte. In der Nacht vom 23. Auf den 24. August 1572 eskalierte die Gewalt. Es kam zu einem Pogrom von Katholiken an Protestanten.

Wer gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auslebt und Stigmatisierung betreibt, spielt mit dem Feuer. Historisch gesehen gibt es kein Beispiel, dass sich massive Hetze, Sündenbock-Etikettierung und ausgrenzende Diffamierung einfach in Wohlgefallen auflösen. Jeder, der Augen im Kopf hat und ein basales geschichtliches Verständnis erkennt die Muster und sieht deutlich, dass einige aus der Geschichte vor allem lernen, wie man sie wiederholt.

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