Liebe Journalistenkollegen: Sorry, für was genau wollt ihr jetzt mehr Geld?

So geht die Prozession der “guten” Presse auch heute: in Richtung Steuerzahler.

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Haben Sie es auch gelesen in den letzten zwei Jahren? Die ganzen kritischen, mehrseitigen Reportagen und Sonderberichte zum Thema Corona? Nein? Seltsam, ich nämlich auch nicht. Doch in Kürze soll der Schweizer Steuerzahler für diese Meisterleistung weitere knapp 180 Millionen Franken jährlich über die journalistische Zunft ausgießen, wenn nicht die Bürger am 13. Februar das Mediengesetz mit einem «Nein» stoppen. Sorry, liebe Journalistenkollegen: Für was genau wollt ihr jetzt mehr Geld vom Staat? Man könnte die letzten zwei Jahre kurz und bündig mit Kurt Tucholsky zusammenfassen: «Erst denken sie nicht und dann drücken sies schlecht aus.»

Journalisten sind dilettantische Zauberlehrlinge

Journalisten sind (für die, die es nicht wissen): Zauberlehrlinge. Sie können nämlich Dinge herbeizaubern oder zum Verschwinden bringen. Leider nur geschehen ihnen beim Zaubern ständig Missgeschicke. Denn das, was sie wegzaubern wollen, taucht irgendwo anders wie ein böser Fluch trotzdem auf und lässt sie dann etwas dumm aussehen. Und das, was sie unbedingt herbeizaubern wollen, daran müssen sie selbst erst einmal glauben. Das gelingt leichter, wenn sie es zur Sicherheit gleich selbst in die Zeitung reingeschrieben haben. Besonders putzig wirken die Zauberlehrlinge, wenn sie sich dazu erheben, etwas «einzuordnen». Das ist dann der Moment, wo der verwuschelte Abbrecher eines Geistes-Gender-Kulturstudiengangs entscheiden darf, welcher Professor für Virologie ein Idiot und welcher ein Halbgott ist.

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Machen wir uns nichts vor: Der Journalismus in Sachen Corona ist ein Totalausfall. Für Kollektivversagen überhaupt (und auch noch mehr) Geld vom Steuerzahler zu wollen, ist infam. Das Mediengesetz ist ein weiterer Sargnagel in die Truhe der freien Wahrheitsfindung. Was staatlich gesponsert werden muss, ist schon davor schlecht gewesen und wird durch mehr Geld nur noch schlechter. Wenn der Leser mehr offene Fragen hat als der Journalist bereit ist an möglichen Antworten zu liefern, ist nicht die Nachfrageseite das Problem. Dann ist das Angebot lausig.

Der Tsunami der Aufarbeitung rollt

Kritische Berichterstattung zu Corona muss man in Zeitungen, Magazinen und dem Staatsfernsehen mit der Lupe suchen. Es ist nicht so, dass es besonders schwierig wäre, die Ungereimtheiten zu finden. Es gibt zahlreiche Seiten mit Daten und Fakten, denen man nachspüren kann sowie Auflistungen von Studien, die man durchforsten könnte. Dokumentarfilme, wie neuerdings Planet Lockdown, bieten ein breites Feld offener Fragen, ebenso der zuletzt auf Youtube gelöschte Film des Privatsenders ServusTV über Impfschäden. Die zahlreichen offenen Fragen hat vor einiger Zeit der Mitarbeiter des deutschen Südwestrundfunks, Ole Skambraks, im Multipolar-Magazin notiert («Ich kann nicht mehr»). Wie wachsweich und unterwürfig der Journalismus gegenüber den Regierenden geworden ist, zeigte zuletzt das Bekenntnis zur regierungstreuen Berichterstattung von Ringier-CEO Marc Walder oder die kleinlaute Entschuldigung einer dänischen Zeitung für ihre kritiklose Berichterstattung.

Das Mediengesetz ist jedoch nur ein Baustein im Gesamtbild des Grauens. Es ist längst überfällig, einmal über die Grundsatzfragen zu sprechen: Was läuft im Journalismus genau schief, wenn ihm die Leser und zunehmend auch die Mitarbeiter davonlaufen? Diese Diskussion ist auch deshalb nötig, weil auf die ganze Branche ein Tsunami zurollt, der sich nicht in Abonnentenvergraulung oder Anzeigenschwund klassifizieren lässt. Es ist ein Tsunami des Vertrauensverlustes und die große, offene Frage von normalen Bürgern wird lauten: Was habt ihr eigentlich die letzten zwei Jahre beruflich gemacht?

Sagen wir es wie es ist: Der Kernvorwurf an den Journalisten besteht darin, dass er intellektuell korrumpiert ist. Und das war schon so, bevor Regierungen in die Steuerschatulle gegriffen haben oder ein Bill Gates über 300 Millionen in Medienbetriebe pumpte. Der New York Times-Journalist John Swinton hat seiner Zunft schon 1875 vorgeworfen, «geistige Prostituierte» zu sein. Es besteht eben ein lausiges Anreizsystem für guten Journalismus. Man muss sich an den richtigen Stellen ein wenig dumm stellen und an den entscheidenden Stellen besonders dumm – dann hat man gute Aussichten auf eine Karriere in einem Medienbetrieb. Der Investigativ-Journalist Upton Sinclair wusste schon 1935: «Es ist schwierig, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt gerade davon abhängt, dass er es nicht versteht.»

Für wen arbeitet der Journalist?

Der große Irrtum des heutigen Journalisten liegt darin, dass er glaubt, für ein Medienhaus oder einen Verlag zu arbeiten. Das ist so, wie wenn ein Arzt glaubte, er arbeite für die Pharmaindustrie oder ein Rechtsanwalt, er arbeite für das Justizsystem. Nein, der Journalist arbeitet einzig und allein für den Leser. Zur charakterlichen Grundausstattung des Journalisten gehört deshalb vor allem eines: Mut. Erst aus der Summe mutiger Einzelpersonen entsteht das, was man die vierte Gewalt nennen kann. Der Rest betreibt Schönfärberei und Illusionsmalerei. Ein Joseph Pulitzer verdiente sich seinen Ruf durch investigative Recherchen im Lokalen, also dort, wo der Filz anfängt. Dass heute ein Preis nach ihm benannt ist, liegt daran, dass sich einige früher vor seiner spitzen Feder fürchteten. Heute fürchten sich Mächtige allenfalls noch vor Wikileaks. Ein Julian Assange verrottet für das Aufdecken von Staatsverbrechen in einem britischen Gefängnis.

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Stellen wir uns mal vor, es gäbe ab morgen keine Medienunternehmen mehr, keine Verlage, kein Staatsfernsehen, keine Medienmäzene, kein «sponsored content», kein Anzeigengeschäft. Wer die Spur des Geldes im Journalismus zurückverfolgt, landet dann beim «Honorar» und in diesem Wort steckt das lateinische Wort «honor»: Ehre. Fragen wir uns doch mal: Wie wäre es um den Prozess der Wahrheitsfindung bestellt, wenn der Medienmarkt einzig und allein ausdrücken würde, wem in Anerkennung für erbrachte journalistische Leistung Ehre gebührt? Wie viele Journalisten würden überleben, wenn sie nur noch von ihrer Ehre leben müssten, also von dem, was ihnen der Leser direkt durch Anerkennung der gebrachten Leistung gibt?


Dieser Beitrag erschien zuerst im Satiremagazin Nebelspalter.

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