Liveticker Elisabeth: Die Super-Quoten der Toten

Deutschlands einzige Queen ist ein Wasser. Das weckt gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk großen Neid auf die Briten.

Vier Sender, alle öffentlich-rechtlich, alle live on air, alle direkt von dort, wo Geschichte zu Grabe getragen wird. Vier Reporterteams, die den Liveticker zum Tod der Queen befüllen. Eben noch in Edinburgh. Nun schon in London. Tränen. Rührung. Tagesschau-Spitzenmeldung. Selbst Ursula von der Leyen, gewandet in eine nagelneue Ukraine-Fahne, muss warten, denn was ist die „Lage der Union“ gegen das Ende der Königin des Jahrhunderts? Und was ist ein Trauerspiel gegen einen richtigen Trauerzug?  

Trauerspiel gegen Trauerzug

Der „Spiegel“ ist der ersten Granatensauerei der Arä Charles auf der Spur, doch unverkennbar bleibt, dass Deutschland mitleidet. Die Quoten der Toten sind gigantisch, sowas hat Deutschland seit dem Abschied von Jogi Löw gar nicht mehr. Die Queen mag den Brexit nicht verhindert haben, sie hat zeitweise als Herrin des größten Kolonialreiches der Welt geherrscht und ein nationales Symbol für Verschwendungssucht ist sie auch. Doch was hat Deutschland dem entgegenzusetzen? Tom Buhrow, der Chef des WDR und amtierende Intendant der ARD, verdient zwar gut, aber nicht annähernd so gut wie sie. Stürbe er, würden kaum drei Millionen Menschen in Tränen nach Köln eilen, um Abschied zu nehmen. Dazu würde womöglich Lindenberg, Dieter Bohlen und Thomas Gottschalk gelingen. Für einen solchen royalen Rausch müssten alle drei gleichzeitig durch Land gekarrt werden.

Walter Steinmeier, innerhalb des deutschen Staatsaufbaus mit dem Amt betraut, das der britischen Königswürde noch am ehesten entspricht, schafft das nicht. Der frühere Sozialdemokrat kam wie die Jungfrau zum Kind zu seiner zweiten Amtszeit, eigentlich nur, weil niemand anders jemand anderen hatte, den alle anderen auch akzeptieren wollten. Seitdem duckt er sich und redet, er war bis heute nicht noch mal in der Ukraine und deutsche Waffen hat er auch nicht in ausreichender Zahl geschickt. 

Der Neid auf die Monarchie

Das ist der große Vorteil einer Monarchie: Niemand kann sich aussuchen, wer es wird. Niemand kann sich aussuchen, ob er es werden will. Und alle werden danach immer dafür gelobt, dass sie es gemacht haben und gut gemacht und sogar sehr gut, wenn die Amtszeit nur lang genug gedauert hat, dass sich niemand an die Ritterwürde für den rumänischen Menschenschinder Nicolae Ceaușescu und  ihre Rolle als Schutzengel der nordirischen Unionisten erinnern kann.

Dennoch heißt das nicht, dass es nicht immer noch sehr viel besser geht. Vor allem in Hannover, das Stammhaus der Vorgänger der Windsors auf dem britischen Thron, ist man um guten Rat nicht verlegen. Hier, wo die Hanoverians herkamen, die Britannien bis 1901 rulten, wie der Brite sagt, residiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), im politischen Berlin häufig als Reichsnachrichtendienst verspottet, aber jederzeit in der Lage, den in Sachen Demokratie noch relativ unerfahrenen Briten Ratschläge zu geben, wie es weitergehen könnte. 

Guter Rat der Hanoverians

Kaum dass die Queen ihre Augen zum letzten Mal geschlossen hatte, empfahl man den Briten von höheren Ortes her, es müsste nun schon irgendwie deutscher werden auf der Insel, irgendwie so wie in Berlin mit einem Präsidenten, den alle wählen, also nicht alle, sondern einige Ausgewählte, die von allen gewählt worden sind, wenn auch nicht von allen, aber doch von denen, auf die es ankommt.

Wäre gut für Britannien, gut für das Commonwealth, gut für Europa auch, das in diesen Zeiten wenigstens einen weiteren Nettozahler gut gebrauchen könnte. Von Großbritannien weiß man noch nicht, wer der erste Präsident der nun bald zu gründenden Republik Großbritannien wird. Aber hier in Deutschland wäre Tom Buhrow zum Beispiel ein sehr guter Bundespräsident, auch wenn er den Posten wohl nicht annehmen wird, obwohl ja Kai Gniffke bald bei der ARD nachrückt, Verständlich, denn  die Einkommenslage des 63-Järhigen würde sich mit dem Einzug in Schloss Bellevue dramatisch verschlechtern. Zwar hätte der Neue im Schloss dann acht Präsidentenlimousinen zur Verfügung, sechs mehr als normalerweise im Öffentlich-Rechtlichen gefahren werden müssen. Aber ob alle Massagesitze haben, ist nicht bekannt.

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