Ökoarithmetik: Fremdversorgt zur Klimalok

Jetzt müssen die richtigen Weichenstellungen erfolgen, fordern die Forschenden des CLW. Dann könne Deutschland schnell ein Klimavorbild ohne eigenen Energieverbrauch werden.

Deutsche Industrie, deutsche Verwaltungen und die deutsche Bevölkerung verwenden offenbar riesige Mengen Gas, Kohle, Öl und anderer zumeist fossiler Energieträger für die Herstellung des derzeit in Deutschland als „Normalzustand“ aufgefassten Alltagslebens. Wie Ökoarithmetiker des Klimawatch-Institut in Grimma (CLW) jetzt errechnet haben, wäre das so allerdings gar nicht nötig. Eine Studie, die die im Zuge der bundesweiten Behördenansiedlungsinitiative in Sachsen gegründete renommierte Forschungseinrichtung vorgelegt hat, zeigt deutlich auf, dass es einen ganz einfachen Ausweg gäbe.

Gezielt geschürte Angst

Seit die Russland-Sanktionen der EU das von Wladimir Putin diktatorisch regierte Großreich im Osten immer schneller in die Knie zwingen, schüren russische Einflussagenten in Deutschland Sorgen, dass es auch hierzulande zu Auswirkungen der auf weite Teile des Alltagslebens kommen könnte. Bei ARD und ZDF rumort es wegen angeblich bevorstehender Blackouts,  ehemals seriöse Großverlage zeigen sich alarmiert vom Heizlüftertrend, ehemals als harmlos geltende Paraffin-Kerzen stehen als Volksfeinde am gesellschaftlichen Pranger.

Im Hintergrund steht natürlich die Angst, angesichts der Klimakrise auf Teile des liebgewordenen Wohlstands verzichten zu müssen. Ohne günstige Energie keine Industrie, ohne Industrie kein Export, ohne Export keine Arbeitsplätze, ohne Arbeitsplätze kein gutes Auskommen, so geht die Rechnung, die Hetzer, Hasser und Zweifler auf den Marktplätzen vor allem in Ostdeutschland aufmachen, wo vielen Bürgerinnen und Bürgern, die an der Straße der Gewalt leben, noch gar nicht klar ist, wie ein modernes Gemeinwesen tatsächlich funktioniert.

Übertriebene Befürchtungen

CLW-Forschungsleiter Herbert Haase nennt solche Befürchtungen „deutlich übertrieben“. Auch wenn Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten von der Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen profitiert habe, so dass das Land zeitweise als Exportweltmeister die ganze Welt mit hochwertig veredelten Waren versorgen konnte, heiße das nicht, dass ein Leben ohne Energie und Rohstoffe unmöglich sei. Fakt ist nach den Berechnungen der Ökoaritmetikern aus Grimme, dass die Aufrechterhaltung des gewohnten gesellschaftlichen Alltages im Augenblick knapp 100 Prozent des gesamten Energieverbrauches der Deutschen verursache. 

Verantwortlich dafür ist, zu diesem Schluss kommen die Experten des CLW, allerdings vor allen Dingen eine kleine Minderheit an Gewohnheiten und Traditionen, die zu gesellschaftlichen Abläufen führen, die es Industrie und engagierter Zivilgesellschaft „nahezu unmöglich“ (CLW) machen, wirklich in dem Maße CO2 einzusparen, das nötig wäre, um die globalen Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Das große Bild im Blick

Die Experten hatten für ihre Studie unter dem Titel „Effects of everyday life on energy consumption“ erstmals den Energieverbrauch nicht nur bei der Fertigung einzelner Produkte in Deutschland ermittelt, sondern das große Bild in den Blick genommen. Gesamtwirtschaftlich zeigte sich dabei zur Überraschung auch der Forschenden, dass der komplette Energiebedarf benötigt wird, um den gesamtwirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Betrieb am Laufen zu halten. 

Daraus, so die Wissenschaftlernden, ergebe sich jedoch auch Änderungspotenzial: In ihrer Studie schätzen sie erwartbaren Auswirkungen eines drastischen Energieausstieges – das sogenannte „Alarmszenario“ – als beherrschbar ein. Bereits im März hatten die Sachsen darauf hingewiesen, dass Deutschland auch mit einen kurzfristigen Stopp der Energieversorgung überleben werde, jetzt bekräftigen sie das mit neuen Daten. Wenn Energie fehle oder so teuer werde, dass Produkte in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig hergestellt werden können und Bürgernde wie Wohnende im Land einerseits ihre Jobs verlören, andererseits ihre eigene Versorgung mit Nahrung und Wärme nicht mehr leisten könnten, bedeute das keineswegs ein Ende des traditionsreichen Staatswesens an sich.

Abgedimmter Alltag

Ganz im Gegenteil. Das Team um Herbert Haase sieht Licht am Horizont für ein deutlich abgedimmtes, aber mit Natur, Umwelt und Ökologie im Einklang lebendes neues Deutschland. Komme es zu weitgehenden heimischen Produktionsausfällen, müsse niemand mit wesentlichen Unterbrechungen der Wertschöpfungsketten zu erwarten. Alles, was wegen zu hoher Kosten hierzulande nicht mehr produziert werden könne oder wolle, lasse sich aus anderen Staaten importieren, beschreibt der angesehene sagt der angesehene Klimafolgenforscher Haase, der bereits im Januar 2020 auf die großen Chancen hingewiesen hatte, die in drastischen Preissteigerungen bei Energieträgern vor allem für Arme und Geringverdiener liegen.

Die aktuelle Ausarbeitung der CLW-Abteilung Energieausstieg, Strukturnivellierung und Produktivitätrückbau (ESP) bestätigt bisherige Vermutungen. Ein energiefrei vegetierendes Deutschland würde nicht nur die Tür öffnen für eine hundertprozentige Fremdversorgung aus dem Ausland, die dort viele Arbeitsplätze schaffen könnte. Sondern sich selbst auch sofort wieder an die Spitze der weltweiten Klima-Musterschüler setzen. Während das Land im Moment darunter leidet, dass der Klimagiftausstoß seiner industriellen Produktion, auch wenn sie für Verbraucher in anderen Staaten bestimmt ist, immer nach dem Territorialprinzip zugerechnet wird, verkehrte sich dieser Nachteil bei einem Wechsel zur sogenannten „Drohnenlösung“ (CLW) in einen Vorteil, wie Herbert Haase beschreibt.

Deutschlands Leben als Drohne

Der umgehende Umstieg zur ausschließlichen Fremdversorgung ließe Deutschland nach den CLW-Angaben bereits ab Tag 1 alle nationalen Klimaziele für 2030 erfüllen. Zudem zöge die „Klimalok“ (Haase) Europa kräftig in Richtung Klimaneutralität, „zumindest, wenn wir es schaffen, dass nicht die Partnerstaaten der EU sich anschicken, Deutschland zu versorgen“. Da Deutschland eine reiches Land sei und die Bundesregierung überdies gut gewirtschaftet habe, könne sich die Bundesrepublik als Ganzes leicht ein Leben leisten, bei dem alle eigenen Anstrengungen einer ökologisch einwandfreien Lebensführung dienen. Nicht einmal mit tiefgreifendes Einschränkungen und  überdeutlichen Wohlstandsverlusten sei kurzfristig zu rechnen, so Haase. „Und dafür würden wir endlich wieder als Klimavorbild anerkannt.“

 

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