Projekt Heat Wave Pipe: Fernwärme für Deutschland

Der Verlauf der künftigen Fernwärmetrasse Heat Wave Pipe von Indien nach Deutschland.

Die Bundesregierung will unabhängiger von russischem Gas werden, Öl aus Russland aussperren und dennoch Kohle- und Atomausstieg festhalten. Auch eigene Erdgasbohrungen lehnt Wirtschaftsminister Robert Habeck weiterhin ab, obgleich sich die Hoffnungen auf eine große Energiepartnerschaft mit Katar zu zerschlagen drohen. Der nächste Winter steht als Winter der Entscheidung bevor – doch wer darauf setzte, dass am Ende der russische Machthaber Wladimir Putin zuletzt lacht, könnte sich verrechnet haben.

Ideen mit Indien

Denn beim Besuch des indischen Premierminister Narendra Modi in Berlin Anfang des Monats wurde nach Informationen, die im politischen Berlin kursieren, unter anderem eine alternative Lösung der deutschen Versorgungsprobleme speziell mit Heizenergie erörtert. Danach könnte die größte Demokratie der Welt, die sich bisher einem Schulterschluss mit der globalen Sanktionsfront verweigert, als eine Art Weißer Ritter auftreten. Indien hat zwar kein namhaften Gas- oder Ölvorkommen, die sich nach Europa verschiffen ließen.  

Doch wie das benachbarte Pakistan leidet das Land auch derzeit wieder akut unter  einer nie dagewesenen Hitzewelle. Meteorologen maßen in Barmer Temperaturen von mehr als 48 Grad, im pakistanischen Jacobabad stieg die Quecksilbersäule sogar 49.5 Grad Celsius. Für die kommenden Tage wird mit Temperaturen über 50 Grad gerechnet – das sind Regionen, die weit über dem normalen Arbeitsbereich deutscher Wärmepumpen liegen.

Heißluftleitung aus der Hitzehauptstadt

Indien leidet unter atmosphärischem Energieüberschuss.

Der Berliner Plan: Eine Heißluftleitung von der nordindischen Hitzehauptstadt Barmer über rund 6.700 Kilometer durch Pakistan, Oman, Saudi-Arabien, den Irak, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Tschechien bis zu einem Übergabepunkt an der Grenze zum ostdeutschen Sachsen, das wegen der prekären Lohnstruktur und des allgemeinen Wesens seiner Bewohner als besonders anfällig für Verstöße gegen den gesellschaftlichen Frieden gilt. Über die Heat-Wave-Pipe-Pipeline (HWP) könnte dann der gesamte deutsche Osten, der bisher überwiegend von Russland aus mit fossiler Energie versorgt wird, im nächsten Winter mit Warmluft versorgt und geheizt werden.

Jeder Kubikmeter ein Schlag ins Gesicht des Kreml und ein Stück energetischer Unabhängigkeit nicht nur vom russischen Aggressor, sondern auch von arabischen Blutprinzen und den demokratisch nicht immer zuverlässigen Amerikanern. Das ehrgeizige Projekt sei ein „Türöffner“ für deutsche Geschäfte in Indien, heißt es in Berlin, es könne am Anfang einer ganz neuen Ära globaler Vernetzung stehen, die den eigentlich altbekannten Begriff Fernwärme mit ganz neuem Inhalt zu füllen verspreche.

Einigkeit über Energiepartnerschaft

Deutschland und Indien haben nach Informationen aus dem Regierungsviertel bereits Einigkeit über die auch für Indien vorteilhafte langfristige Energiepartnerschaft erzielt. Indien werde durch die Heat-Wave-Pipe-Pipeline seine Temperaturüberschüsse los, Deutschland profitiere durch saubere, nachhaltige und natürlich Wärme. Das technische Prinzip hinter der neuen Rohrleitung, die nach ihrer Fertigstellung mit knapp 7.000 Kilometern etwa sechsmal länger sein wird als die umstrittene Nord-Stream-2-Leitung, gilt seit den ersten „Röhren-gegen-Gas“-Geschäften Deutschlands mit dem Russen in den 70er Jahren als bewährt und ausreichend erprobt.

Mit Hilfe des sogenannten Kamineffektes bewegt sich die wärmere indische Luft „großartigerweise“, wie es im Umweltministerium heißt, ohne jede Hilfe von Pumpen oder Verdichterstationen von selbst Richtung Norden. Wird die Leitung, die überwiegend durch sehr sonnige und warme Regionen führt, ausreichend isoliert, treten unterwegs kaum Wärmeverluste auf. Der rückkühlende Effekt für Indien und Pakistan entspricht auch dadurch eine milden El Niño: Nach wissenschaftlichen Überschlagsrechnungen finde im Moment der Aufschaltung des Systems eine Energieübertagung vom Subkontinent nach Europa statt, die bis zu 9x1022 Joule liegen könne, so führende Forscher des Klimawatch-Institutes (CLW) im sächsischen Grimma.

Herausragende Fernwärme-Vorteile

Umgesetzt werden soll das Milliardenprojekt von deutschen und indischen Unternehmen, auch Firmen aus den neun Anlieferstaaten werden beteiligt. Fernwärme spielt an den Abnahmestationen im Zielland ihre herausragenden Vorteile aus: Sie kommt gebrauchsfertig ins Haus, steht ganzjährig zur Verfügung, es werden weder ein Heizkessel noch ein Lagerraum für Brennstoffe gebraucht. Selbst die finalen Übergabestationen mit dem Wärmemengenmesser und einem eventuellen Wärmeüberträger sind als kompakte kleine Schränkchen verfügbar. 

Der Aufstellraum der Technik ist dadurch zusätzlich nutzbar.Zudem entstehen keine Wartungskosten, weil innerhalb der eigenen vier Wände keine Verbrennung statt, da die Wärme ja bereits in Indien erzeugt wurde. Das bedeutet, dass weder Abgase, noch Ruß, Rauch oder Gerüche entstehen und kein Schornstein nötig ist. Das spart nicht nur die Kosten für den Schornsteinfeger, sondern auch für die Wartungsarbeiten des Heizkessels.

Platzsparende Nachhaltigkeit

Die Unternehmen, die nun um die Umsetzung ringen, stehen allerdings unter hohem Zeitdruck. Zwar haben deutsche Firmen seit den ersten Pipeline-Bauverträgen mit Russland große Erfahrungen beim Ziehen langer Leitungen. Doch vor allem bei Arbeitsstandards und Arbeitsschutz herrschen entlang der Strecke sehr unterschiedliche Vorstellungen, so dass die neuen europäischen Lieferkettengesetze und globalen EU-Sorgfaltspflichtenregelungen noch als kleine Hürde vor einer raschen praktischen Umsetzung gelten. Über die unbedingte Notwendigkeit der umfassenden Aktivierung zusätzlicher Investmittel für das Großprojekt „Es ist aus der ökonomischen Perspektive ein Mehrwert und nicht eine Belastung“, so Habeck.

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