Schund- und Schmutzkampagne: Friede den Palästen

In seinen Villen und Schlössern lässt der deutsche Mittelstand es sich immer noch gut gehen. Faktenfinder weisen jetzt nach, wie sehr das zum Wehrwillen beiträgt.

Unter dem Hashtag #WieReicheleiden läuft seit Tagen eine Schund- und Schmutzkampagne, gestartet von sächsischen Wirtschaftsforschern, die mobil machen gegen die Inflations- und Entlastungspolitik der Bundesregierung. Auslöser war eine Studie aus dem Climate-Watch Institut  (CLW) im sächsischen Grimma, derzufolge Familien und Alleinlebende, die viel Geld haben, am heftigsten von der laufenden Geldentwertungswelle getroffen werden. Bei ihnen schlage die Inflation voll durch, machten die Forschenden in der Fachzeitschrift „Arithmetics of Economics“ glauben. Aus dem Zusammenhang gerissen, präsentierten sie dabei Zahlen, die vermeintlich  auf eine bisher völlig ausgeblendete Folge der rasant steigenden Preise hindeuteten.

Fragwürdige Forschungsergebnisse

Danach verliere ein Durchschnittssparer mit in einem in einem ganzen emsigen Arbeitsleben auf die hohe Kante gebrachten Vermögen von 100.000 Euro in den kommenden fünf Jahren etwa 41.000 Euro an Kaufkraft. An seinem 72. Geburtstag wären nach Berechnungen der Wissenschaftler dann sogar nicht einmal mehr 34.000 Euro tatsächliches Kapital übrig. „Muss der Herr in seinem 82. Lebensjahr in ein Pflegeheim ziehen, wird er nicht einmal mehr die oft geforderte Kaution zahlen können, denn dann verbleiben ihm selbst dann nur 12.000 Euro an Kaufkraft, wenn er bis dahin keinen einzigen Cent ausgibt“, ließ sich einer der Forschenden provokativ zitieren.

Eine Strategie, die für Experten auch aufgrund der regionalen Verortung leicht zu entschlüsseln ist. Es gehe ganz offensichtlich um Aufwiegelung, eine Spaltung der Gesellschaft und das Vertiefen von Gräben in der europäischen Familie, folgern Faktenfinder. Der sogenannte „schleichende Vermögensverlust“ werde in den Leitmedien als Thema zurecht strikt gemieden, auch das Bundesfinanzministerium spreche in diesem Zusammenhang lieber von negativem Vermögensaufbau, um Sparende nicht mitten in der Energiekrise auch noch mit Nachrichten über verheerende Vermögensverluste zu beunruhigen. 

Strategie der Aufwiegelung

Die CLW-Studie, deren fragwürdiges Zustandekommen international noch nicht überprüft wurde, schießt nun direkt quer. Furcht solle geschürt, Inflationsangst befördert werden, heißt es im politischen Berlin. Parallel warnen Behörden dringend vor Desinformation durch das „irreführende Deutschlandbild“, das von den Sachsen gezeichnet werde. Gerade durch seine in der EU einzigartige Vermögensstruktur komme Deutschland besonders gut durch die Krise, heißt es in einem Faktencheck.

Das zeige ein Vergleich mit anderen Partnerstaaten, die über höhere private Rücklagen und Vermögenswerte verfügten. Nach dem Median des Nettohaushaltsvermögens verfügt die Bevölkerung in Deutschland pro Kopf über Rücklagen in Höhe von 71.000 Euro, Luxemburger dagegen haben knapp 500.000 Euro gespart, die Bürgerinnen und Bürger in Malta rund 236.000 Euro und Belgier 213.000 Euro. Auch die von der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 schwer getroffenen Staaten Spanien und Italien weisen mit gut 120.000 Euro beziehungsweise 132.000 Euro ein relativ hohes mittleres Nettohaushaltsvermögen auf.

Fakten zeigen die Wahrheit

Tatsachen, die nun zum großen Vorteil  der Deutschen werden, deren vergleichsweise niedrige Sparvermögen selbst durch eine Inflation um die zehn Prozent nur geringe Beträge an Kaufkraft verlieren. Im Durchschnitt büßt jeder Deutsche in einem Jahr mit einer Inflationsrate von 10 Prozent nur knapp über 7.100 Euro an Geldwert ein – ein Luxemburger dagegen verliert etwa 50.000 Euro, ein Belgier mehr als 21.000 und jeder Spanier und Italiener 12.000. 

Entgegen dem, was die vermeintlichen sächsischen Experten darlegen, komme Deutschland also sehr gut durch die Geldkrise. Zwar nicht ganz so gut wie Lettland, das mit 20.000 Euro das geringste Nettohaushaltsvermögen der EU-Staaten hat, so dass die Letten im Durchschnitt nur Vermögensverluste von 2.000 Euro durch den Wertverfall der Gemeinschaftswährung zu beklagen haben. Doch verglichen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Partnerländer haben Deutsche durch die weitsichtige Politik der Bundesregierung im Durchschnitt zwischen 40.000 und 5.000 Euro weniger an finanziellen Einbußen zu beklagen.

Blanke Kreml-Propaganda

Fakten, die der Kreml-Propaganda widersprechen, die da einmal mehr aus Sachsen kommt, obwohl sich die Bewohnenden im Freistaat sehr viel weniger Sorgen um Vermögensverluste machen müssen als Menschen in Bayern, Baden-Württemberg und dem Rheinland. Dort, wo Wohlstand eine viel längere Geschichte hat, müssten sich die angeblichen langfristigen Erosionseffekte durch die hohe Inflation bei gleichzeitig historisch weiterhin rekordniedrigen Zinsen besonders dramatisch zeigen. 

Doch weder n Hamburg noch in München, nicht in Köln und auch nicht Düsseldorf ist das ein Thema, nicht einmal in den Vierteln des Bionadeadels, in denen Lehrerinnen- und Zahnartpaare, Beamtinnen-WGs und Start-up-Unternehmende in frühzeitig überschriebenen Erbwohnungen mit Echtparkett und Erdwärmepumpe leben, die, stimmte der Vorwurf aus Grimma, vom Wertverfall mit besonders hohen Summen zur Kasse gebeten würden.

Vermögensverlust als kleiner Preis

Statt zu krakeelen, akzeptieren die Menschen den kleinen Preis des Vermögensverlustes, der ja auch dazu beiträgt, die seit Jahrzehnten immer weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. wer mehr hat, verliert mehr, wer nichts hat, profitiert – zumindest dieser Vorwurf der eigentlich auf Klimaforschung spezialisierten Sachsen sei richtig, heißt es bei erfahrenen Faktenfüchsen etwa in Bayern. 

Eine Verarmung des Mittelstandes, die die besonders Vermögenden ganz besonders hart treffe, sei im weitesten Sinne als soziale Entlastung zu definieren, weil sie das Maß an Ungleichheit im Land vermindere, das in Deutschland traditionell für Neid und Unfrieden sorge und zuletzt ausschlaggebend dafür war, dass die Bundesregierung nicht immer so harte Sanktionen durchsetzte, wie sie die Ukraine, die USA oder manchmal auch die EU gern gehabt hätten.

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