Schwere Waffen: Deutschlands unsichtbare Panzer

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Mit der Scholz-Ansprache vom 8. Mai endete die deutsche Diskussion um die Lieferung schwerer Waffen an die Ostflanke.

Auf dem Höhepunkt der Krise entschied sich an dieser Frage das Schicksal nicht nur einer Nation, nicht nur zweier, nicht nur der EU und der westlichen Alliierten, sondern die Zukunft des gesamten Westens und damit der ganzen Welt. Sollte, würde, dürfte und könnte Deutschland der Ukraine sogenannte „Schwerewaffen“ liefern? Würde die Weltfriedensnation, Kern eines Weltfriedenskontinens, der vor zehn Jahren bereits mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, damit zu einer Kriegspartei? Käme es zum Atomkrieg oder stünde ein auch vom Aggressor anerkanntes Schiedsgericht bereit, das zu beschwören und zu beeiden in Lage war, dass Liefern nicht Schießen ist, auch wenn mit dem Gelieferten geschossen wird? 

Hilfe für die Panzermacht

Deutschland, eine frühere Militärmacht, die am Tag des Kriegsausbruchs noch 266 Panzer besaß, von den etwa die Hälfte fahrbereit gemeldet worden war, musste sich entscheiden. Soll die Ukraine, die am Tag des Kriegsausbruchs mit 2.600 Panzern über die drittgrößte Panzerflotte der Welt verfügte, mit schweren Waffen unterstützt werden? Auf die Gefahr, den irren russischen Bären im Kreml zu provozieren? Würde dann ein Mann, der mit einer völlig unzureichenden Streitmacht versucht, einen Staat zu überrennen, der damit seit Jahren rechnet und sich ebenso lange vorbereitet hat, nicht auch bereit sein, allen anderen den Krieg zu erklären? Unabhängig, davon, wie seine Erfolgsaussichten stehen? Also wenn ja, warum dann nicht?

Der April war der Monat der Schlacht um diese Frage. Die sie nicht beantworten mussten, legten sich früh fest: Friedrich Merz hätte alles gegeben, die Linkspartei nichts, im Schulterschluss mit der AfD, den Impfgegnern und der deutschen Sozialdemokratie. Die Grünen aber, längst in die Flexibelbetriebe der deutschen Politikproduktion verwandelt, öffneten ein neues Kapitel der feministischen Außenpolitik: Schwerewaffen, sagte Annalena Baerbock. Schwerewaffen, echote Ricarda Lang, eine Stimme von Gewicht. Auch Robert Habeck wiegte den Kopf. Was muss, das muss, das beißt der Scholz kein‘ Faden ab.

Schlacht um Kiew an der Heimatfront

Es schien tage-, ja, wochenlang, als werde die Schlacht um Kiew an der deutschen Heimatfront entschieden. Kämen die Tierpanzer in Fahrt, werde sich das Kriegsglück wenden. Deutschland, dessen besondere Verantwortung nach zwei selbstgemachten Weltkriegen darin liegt, für ein entschiedenes Niewieder einzutreten und die Lieferung selbst von Stiefeln, Uniformjacken und Verbandspäckchen in Kriegs-und Krisengebiete strikt zu vermeiden, hatte nun wegen der zwei selbstgemachten Weltkriege eine besondere Verantwortung dafür, nicht nur Stiefel, Helme und Bilder von blau-gelb beleuchteten Wahrzeichen in die Ukraine zu senden. Sondern auch, was sich an aussortierten Beständen aus Zeiten der angedeuteten Wehrhaftigkeit noch in verschwiegenen Lagerhäusern finden würde.

Gepardinnen für die Ostfront, das war es dann. Dazu die Panzerhaubitze 2000, im Grunde ein technisch hochgerüsteter Nachbau der Panzerfaust, mit der Opa den Russen vor den Seelower Höhen aufzuhalten versucht hatte. Die 5.000 Lambrecht-Helme sind schon in Kiew, der Kanzler nicht, aber er war dann im Fernsehen – nicht wie seine Vorgängerin bei Anne Will, sondern überall sonst, wo ein rotes Licht blinkte. Scholz erklärte, Scholz beschwichtige, Scholz sprach vom Atomkrieg und davon, dass an die Ostflanke geliefert werden, „was noch verfügbar gemacht werden kann“.

Rettung durch Erledigung

Was das sein wird,  ließ der Bundeskanzler im Ungewissen, wann das sein wird, steht in den Sternen.  Die Ausbildung der künftigen Artilleristen hat jedenfalls begonnen, bei Rheinmetall und Krauss-Maffai wienern sie schon das Konservierungsfett aus den Stahlwannen und die Verteidigungsministerin arbeitet ihre „lange Mängelliste“ (Tagesspiegel) kontinuierlich und beharrlich ab. Die große Schlacht um die Schwerenwaffen ist damit geschlagen und siegreich beendet. 

Nur drei eilige Kriegswochen nach dem Höhepunkt des Kampfgeschehens, als der Kanzler schon fast beschädigt schien, die westliche Allianz zu bröckeln drohte und die Ampel Halt, Signal kommt und Jetztaberlos zugleich blinkte, ist das Kampfgeschehen gänzlich ermattet. Kein Schuss fällt mehr, kein Mensch fordert einen sofortigen Vormarsch, kein „Ringtausch“ schiebt das rostige Erbe des Warschauer Paktes herum. 

Akut war gestern, heute ist Ruhe im Staatsschiff. Nun sind es nicht mehr der Leopard, der Gepard und der Marder, nun sind es Recep Erdogan und Victor Orban, an denen die Zukunft der Menschheit hängt. Sie müssen Schweden und Finnland in die Nato lassen und auf russisches Öl verzichten, um den Krieg zu beenden, zu gewinnen oder zumindest so lange siegreich weiterführen zu können, dass er eines Tages gewonnen beendet werden kann.

Oder auch einfach warten, bis ein anderes Thema auftaucht.

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