Strompreisbremse: Gießkanne!?

ZAHLEN ZUM TAG. Die Regierung geht vom Durchschnittsverbrauch aus. Sozial ist das nicht einmal voll daneben – solange der Haushalt nicht groß ist.

Ab Dezember müssen die österreichischen Haushalte nicht mehr um so viel mehr für Strom zahlen, wie sie das bereits tun müssen oder befürchten mussten: Die Regierung fixiert eine „Bremse“. Strom im Ausmaß von 80 Prozent des durchschnittlichen Verbrauchs soll es zu einem Fixpreis von zehn Cent geben. Pro Haushalt soll es dadurch zu einer Entlastung in Höhe von rund 500 Euro kommen, also etwas mehr als 40 Euro monatlich.

Grundsätzlich wird damit nach dem Gießkannenprinzip vorgegangen. Das bedeutet, dass auch Haushalte davon profitieren, die so viel Geld haben, dass sie diese Hilfe nicht unbedingt brauchen würden. Immerhin aber gibt es auf der anderen Seite zumindest ein bisschen Treffsicherheit, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO in einer Analyse zu einem eigenen Vorschlag erläutert: „Ärmere Haushalte verbrauchen im Durchschnitt weniger Energie; daher ist der Zuschuss relativ zu ihren Einkommen höher. Bei reichen Haushalten ist es genau umgekehrt.“

Zum Energieverbrauch nach Einkommen liegen keine Daten vor. Sehr wohl aber zu den Kosten, die damit zusammenhängen. Der „Konsumerhebung 2019/20“, die von der Statistik Austria durchgeführt worden ist, ist zu entnehmen, dass der Durchschnittshaushalt damals Energiekosten von 133 Euro monatlich hatte. Im untersten Zehntel nach Haushaltsausgaben handelte es sich aber nur um 82 Euro, im obersten mit 176 Euro um mehr als doppelt so viel. Bei den Kosten nach Haushaltseinkommen verhielt es sich sehr ähnlich.

Das größte Problem scheint zu sein, dass beim Regierungsmodell nicht nach Haushaltsgröße differenziert wird: Bei einem Single-Haushalt beliefen sich die Kosten 2019/20 auf rund 100 Euro pro Monat, bei Vier-, Fünf- und mehr Personen-Haushalten hingegen auf 165 Euro.

Wohl vor diesem Hintergrund spricht sich das WIFO daher für eine entsprechende Differenzierung aus. Zitat: „Wenn die Bezuschussung auf Basis eines allgemeinen Durchschnitts angewendet wird, droht die Gefahr, dass kleine Haushalte ihren ganzen Stromverbrauch bezuschusst erhalten; Mehrpersonenhaushalte hingegen nur kleine Anteile. Das wäre hinsichtlich der Anreizwirkung kontraproduktiv und außerdem ungerecht: wer allein wohnt, würde stärker unterstützt als Familien.“

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