Studie: Inflation trifft Reiche besonders stark

Gas, Strom und Nahrungsmittel werden immer teurer, Geld ist immer weniger wert. Mit Raten von nahe zehn Prozent setzt der Wertschwund seit Monaten Maßstäbe, wie sie seit den 50er Jahren in der alten Bundesrepublik nicht und in den neuen Bundesländern offiziell sogar noch nie erreicht wurden. Am härtesten trifft die Geldentwertung einer neuen Studie aus dem Climate-Watch Institut  (CLW) im sächsischen Grimma zufolge Familien und Alleinlebende, die viel Geld haben. Bei ihnen schlage die Inflation voll durch, weisen die Forschenden in der Fachzeitschrift „Physics of Parallels“ auf eine bisher völlig ausgeblendete Folge der rasant steigenden Preise hin.

Hart getroffene Sparer

Obwohl die wirklichen Belastungen erst noch bevorstünden, heißt es, zehre die hohe Inflation in Deutschland dort am heftigsten, wo Substanz vorhanden sei. Je nach angehäuftem Sparvermögen werde  die Bevölkerung unterschiedlich stark belastet. Während die zuletzt wieder gestiegen Inflationsrate Familien mit geringem Einkommen im Alltag belaste, führe sie bei Alleinlebenden mit hohem Sparvermögen, aber auch bei Familien, denen es gelungen sei, etwas auf die Seite zu legen, zu einem anhaltenden Verfall der Rücklagen. 

Für einen 62-jährigen Single-Ingenieur, der in einem fast 40-jährigen Arbeitsleben mit 100.000 Euro angespart habe, bedeute eine Inflationsrate von nahe zehn Prozent, dass er sich schon heute nurmehr zehn Prozent weniger Waren, Güter und Dienstleistungen leisten könne als noch vor einem Jahr. In fünf Jahren verblieb der Mann dann noch knapp 59.000 Euro an Kaufkraft, an seinem 72. Geburtstag  würden nach Berechnungen der Wissenschaftler nicht einmal mehr 34.000 Euro tatsächliches Kapital übriggeblieben sein. „Muss der Herr in seinem 82. Lebensjahr in ein Pflegeheim ziehen, wird er nicht einmal mehr die oft geforderte Kaution zahlen können, denn dann verbleiben ihm selbst dann nur 12.000 Euro an Kaufkraft, wenn er bis dahin keinen Cent ausgibt.“

Höhere Belastung bei höheren Vermögen

Bei noch höheren Vermögen sei die Belastung entsprechend noch größer. Wenn die Preise für die  repräsentative Warenkörbe monatlich weiter um 8,5 und teilweise um über neun Prozent ansteigen, vermindert sich der Wert jedes für später zurückgelegten Euro um denselben Prozentsatz. Wie aus dem Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervorgeht, spielen dabei Wohnverhältnisse, die Art der Heizung oder der persönliche Konsum eine untergeordnete Rolle. Stärker schlage die stille Entwertung über die lange Zeitschiene zu Buche, wie es bei den Experten heißt – und ausschlaggebend für die Höhe der Kaufkraftverluste sei letztlich die Höhe der Vermögen. „Bei zehn Prozent Inflation verliert ein Millionär über ein Jahr 100.000 Euro, ein zehnfahcer Millionär aber eine Million und ein Milliardär sogar 100 Millionen.“

Harte Fakten und unbestechliche Zahlen, die zeigen, wie die kriegsbedingten Kostensteigerungen nach und nach an die Haushalte weitergegeben werden. Ganze Lebensleistungen drohen bei zweistelligen Inflationsraten binnen kurzer Zeit entwertet zu werden. „Wer sich einen Plan für den Ruhestand gemacht hatte, steht vor dem Nichts, wenn seine Rechnung nicht mehr aufgeht.“ Durch ihre Sparsamkeit würden die am härtesten getroffen, die nie alles verdiente Geld sofort ausgegeben, sondern zumindest Teile angespart hätten. 

Keine Pläne für Reichenentlastung

Trotz der absehbaren Schwierigkeiten fehlt es in der Gesellschaft wie in der Politik bisher völlig an Vorschlägen, wie der sogenannten sparsamen Mitte in ihrer schwierigen Situation geholfen werden könne. „Diese Menschen haben sich mit Geduld und Fleiß etwas aufgebaut und nun müssen sie hilflos zusehen, wie nicht mehr nur Nullzinsen am Gesparten knabbern, sondern der Löwe Inflation ganze Brocken herausreißt.“ 

Während die Diakonie Deutschland bereits vorgeschlagen hat, einkommensschwache Haushalte mit etwa 5,4 Milliarden Euro zu entlasten und ihnen für ein halbes Jahr mindestens 100 Euro pro Monat zu zahlen, droht den Millionen Sparbuchsparer, Kleinanlegern und ohnehin schon Prämiensparenttäuschten wegen der gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel trotz numerisch weiterhin vorhandener Bankguthaben ein Alter in Armut abzurutschen. 

Bisher in gefühlter Sicherheit

Das ist psychologisch schwierig, weil diese Menschen bisher in gefühlter Sicherheit lebten.“ Reichere hätten womöglich Möglichkeiten, „durch Änderung ihrer Lebensgewohnheiten Preissteigerungen zu vermeiden und Güter mit Preissteigerungen gegen andere Güter zu substituieren“. Doch gegen die faktischeSchwundgeldisierung, die beim Euro besonders stark ausgeprägt sei, helfe auch äußerste Soparsamkeit nichts. „Niemand, der ohnehin sehr sparsam lebt, um Geld auf die Kante zu legen, kann dauerhaft immer wieder zehn Prozent Abstriche machen.“

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