Trickreich, aber legal: Heizlohn auch für Rentnernde

Mit einem einfachen, aber völlig legalen Trick können auch diese beiden bettelarmen Rentnernden von der Ausschüttung des Energiegeldes profitieren.

Waren sie nur vergessen worden? Oder hatte man einfach nicht an sie gedacht? Widersprüchlich hatten sich Vertreter der Ampelkoalition selbst noch in den tagen nach der Verkündigung des zweiten großen Energieentlastungspakets geäußert, das bald im Herbst, wenn die Tage noch trüber werden, für bessere Stimmung in den kalten Buden der Bürgerinnen und Bürger sorgen soll. 

Für die Autofahrer war der Tanktaler dabei, für die Familien ein Warme-Socken-Geld und für notorisch Entdeckungsfreudige das Neun-Euro-Ticket, das eine Welle neuer Mobilität zu Freizeitzwecken auszulösen und das Weltklima damit vielleicht sogar soweit anzuheizen verspricht, dass der nächste Winter gnädig genug wird, ihn auf kleiner Flamme zu überstehen.  

Kein Zückerchen für die Rentnernden

Nur für die Rentnerinnen und Rentner im Land fehlte ein Zückerchen. Weil sie keine Lohn- und Gehaltssteuern zahlen, fallen sie aus der Gemeinde derer heraus, die von Vater Staat automatisch 300 Euro pro Kopf überwiesen bekommen sollten, damit sie ihre nächste Gas-, Öl- oder Stromrechnung bei Wladimir Putin bezahlen können. Ein Versehen, so hieß es anfangs, doch bald wurde klar: Es war ein Übersehen. Mit sechs Prozent Rentenanstieg im günstigsten Fall, so hatte die Bundesregierung befunden, sei der Inflationsdruck auf Seniorinnen und Senioren ausreichend ausgeglichen.

Der Vorteil aller Älteren: Ihnen bleibt es erspart, die milde Staatsspende versteuern zu müssen. Der Nachteil: Sie müssen ohne finanzielle Hilfe durch die Hochpreiszeit steuern, die die Europäische Zentralbank seit Monaten für vorübergehend hält, zuletzt aber immer öfter für immer später vorübergehend.

Deutschland zeigt sich großzügig

Allerdings wäre Deutschland nicht der Sozialstaat, der als der das Land bekannt ist, gäbe es  nicht eine Hintertür in die Geldspeicher des Finanzministers, die so weit offen klafft wie einst die zu den Cum-Ex-Milliarden. Hat die Bundesregierung die Menschen im Land, die den Wohlstand erst erarbeitet haben, auch ausgeschlossen von der Energiepreis-Pauschale, so hat sie das doch so getan, dass ein einfacher Weg an die Geldquelle führt, die ab September für einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer sprudeln soll – ausdrücklich auch für Senioren, die nicht steuerpflichtig sind und deshalb eigentlich leer ausgehen sollen.

Der Trick ist einfach und vollkommen legal, er zieht weder juristische noch steuerliche Konsequenzen nach sich und ist aufgrund der Aufbauleistung der Älteren auch moralisch sauber. Um die 300 Euro  Energiepauschale pro Kopf abzuzapfen, reicht es, wenn ein Ruheständler einen Tag im laufenden Jahr arbeitet. 

Anstrengungsloser Wohlstand

Das so erzielte Einkommen – das können zehn Euro sein, 20 oder 50, gezahlt von Bekannten für Gartenarbeit, von einer Firma für einen Minijob als Spielhallenaufsicht oder auch von den eigenen Kindern fürs Babysitten – gibt der Betroffene anschließend als „Einkünfte aus selbständiger Arbeit“ in seiner Steuererklärung an. Anstrengungsloser Wohlstand, denn der Stundenlohn steigt sofort auf 300 + X.  Damit verwandelt der Minijobber im Familienverband sich vom ausreichend für alle Energiepreissprünge situierten Wohlständler in einen Bedürftigen, der die Energiepreispauschale mit der nächsten Steuerabrechnung ausgezahlt bekommt.

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