Turbine Potsdam: Viel mehr als ein Foto

Natürlich ist es viel mehr als ein Foto. Wenn Olaf Scholz reist, dann nie nur so und niemals nur für ein Bild. Nach Kiew ist er deshalb nicht gefahren, zuletzt nach London, wo er seine Liebe zum Frauenfußballfußball entdeckte, ist er gereist. Nun ging es ins Rheinland, dorthin, wohin es die sagenhafte Erdgas-Turbine verschlagen hat, an der Deutschlands Wohl und Wehe hängt.

Am Lagerplatz des Großgerätes

Der Bundeskanzler besichtigt eine Ausrede“, beschreibt die FAZ die Szenerie, die sich am Lagerplatz des Großgerätes bietet. Vorn der kleine Sozialdemokrat, der so große Macht hat. Dahinter die große Maschine, die er aus Kanada loseisen konnte, nachdem er versprochen hatte, dass sie nicht den Russen überlassen wird, sondern nur nach Deutschland geliefert werden soll. Alles andere wäre ja ein Bruch der härtesten Sanktionen aller Zeiten gewesen, die Olaf Scholz jeden Tag hervorragend wirken sieht.

Die Turbine für Nord Stream 1 nun einfach aus Deutschland nach Russland zu liefern, geht eben wegen der Sanktionen aber auch nicht. Man hat keine gemeinsame Grenze. Und wer weiß, was die Polen täten, bekämen sie das Teil in die Finger. Fliegen? Unmöglich. Aber weiterhin dulden, dass Russland seine viel zu geringen Gaslieferungen damit begründet, dass die Turbine eben wirklich fehle, geht auch nicht.

Schmuggelweg über Finnland

Man hatte sich im Kanzleramt einen Schmuggelweg über Finnland ausgedacht, weit außen rum, dorthin, wo keine Kameras stehen. So will Putin das Teil aber nicht haben. Wenn schon, denn schon, dann aber mit Schleife und Posauenchor, einem schönen Abnahmeappell beim Umladen auf russische Waggons und einer Pressekonferenz im Anschluss, auf der beide Seiten erklären, dass das mit den Sanktionen wohl doch keine ganz so gute Idee gewesen ist.

Die aber kann sie Olaf Scholz so wenig leisten wie eine weitere Verzögerung des Hochfahrens der Gaslieferungen, die Sachsen, Querdenker und Ungeimpfte ihm in Rechnung stellen. Im Kanzleramt saßen sie deshalb nun zusammen, der engste Kreis, die gerissensten Kommunikationsdesigner, die führenden Beamten der Bundesworthülsenfabrik und die Wahlkampfmanager, die wissen, wie sich eine gute Tat am besten verkauft. Die Idee, Olaf Scholz selbst zum Beweis der Existenz der sagenhaften Turbine direkt vor das monströse Teil zu stellen, um zu beweisen, dass sie „zum Transport nach Russland bereitsteht“ (n-tv) muss ihnen allen genial erschienen sein.

Putins Lügen

Putins Lügen, Gazproms Ausflüchte, die angeblich fehlenden Papiere – der entschlossene Blick des Mannes aus Potsdam, wo, so viel Humor hat Gott selbst in diesen dunklen Zeiten, die Frauenfußballmannschaft von Turbine spielt, würde all das widerlegen. „Seit Mitte Juni versucht die Bundesregierung das Gerät zurück zu Gazprom zu bringen“, klagt der „Tagesspiegel“, obwohl die Turbine Ende Juni sogar noch in Kanada war. Aber Wollen  ist ja wie machen, nur mit ganz anderen Buchstaben. 

Der Erfolg blieb aus, zur Freude der ukrainischen Freunde. Der Erfolg der Turbinenbesuches aber wird den gordischen Knoten nun lösen und die „Hängepartie“ mit Putin beenden. Jetzt, wo Olaf Scholz die Existenz der Turbine bewiesen hat, bleibt dem Kreml-Herrscher, der gerade wieder tödlich an FR erkrankt ist, keine Ausrede mehr. Er muss sie umgehend zurücknehmen, „das Ding ist perfekt“ hat der Turbinenschlosser Scholz nach kurzer Blickprüfung diagnostiziert. Alles war nur ein Bluff Putins, ein selbst in Zeiten angespannter Beziehungen verbotener Kniff, der nun vor den Augen der Welt in sich zusammenfällt.

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