„Virtuelle Wissenschaft“ regiert

Christopher Essex

Ich habe versucht, meinen Verstand zu bewahren, indem ich die endlosen hyperbolischen Nachrichtenberichte über eine unwürdige wissenschaftsbasierte Politik vermieden habe. Aber trotz meiner Bemühungen wurde ich auf die Geschichte der niederländischen Landwirte aufmerksam.

Diese armen Leute stehen mit dem Rücken zur Wand, weil ihre Regierung dem Stickstoff den Krieg erklärt hat! Sie könnten wegen dieses Krieges ihr Land und ihre Lebensgrundlage verlieren, ganz zu schweigen von dem unnötigen Hunger in der Welt.

Nun will Kanada den Landwirten hierzulande etwas Ähnliches antun. Wie viele groß angelegte politische Maßnahmen moderner Regierungen ist auch das völlig unsinnig.

Stickstoff? Das sind 78 % des Volumens der Atmosphäre. N2, die Erscheinungsform des Stickstoffgases, ist ein eher inaktives Molekül. Es gibt keinen Zusammenhang mit dem so genannten Treibhauseffekt. Sie und ich atmen es mit jedem Atemzug ein und aus und wissen nichts davon. Ist das also ein Krieg gegen N2? Nun, nein.

Hier geht es nicht um wissenschaftliche Formalitäten. Die Tugend regiert. Wir müssen also raten, was mit „Stickstoff“ in der „virtuellen Wissenschaft“ wirklich gemeint ist. Da das C-Wort (d.h. Klima) verwendet wurde, ist wahrscheinlich Distickstoffoxid (d.h. N2O) gemeint.

Die „virtuelle Wissenschaft“ entfernt seltsamerweise den Sauerstoff aus dem Namen des Moleküls, genauso wie sie den Sauerstoff aus dem Kohlendioxid entfernt, um es stattdessen „Kohlenstoff“ zu nennen. Würde man dieses „Stripping“ konsequent anwenden, würde man die Ozeane als „Wasserstoff“ statt H2O bezeichnen.

H2O wird vielleicht einfach deshalb ausgeklammert, weil viele nicht wissen, wie wichtig es in der Treibhauswelt ist. Aber die Präsenz von H2O wird von der schlecht verstandenen natürlichen Hydrologie dominiert, nicht von menschlichen Aktivitäten, denen man eine Moral unterstellen kann. H2O ist in der Welt der Treibhäuser wichtiger als alle anderen Gase zusammen. Es wurden genaue Atmosphärenmodelle erstellt, die nur H2O enthalten!

Dennoch konnte CO2 ein wenig Fuß fassen, weil eine seiner Absorptionsbanden (d.h. 15 Mikrometer) mit einem kleinen Loch im ansonsten umfassenden, starken Infrarotspektrum von H2O zusammenfiel. Diese Lücke ist als H2O-„Fenster“ bekannt. Ohne dieses Fenster hätte man nie von CO2 gehört.

CO2 hat eine weitere Bande bei etwas mehr als vier Mikrometern, die jedoch kaum ins Gewicht fällt, da H2O bei der Strahlungsübertragung in diesem Bereich dominant ist. Das Gleiche gilt für Methan (CH4). Für Kuhfürze gibt es kein H2O-Fenster. Egal wie stark die molekularen Absorptionslinien sind und egal wie lang die atmosphärische Lebensdauer von CH4 ist, H2O beherrscht das eigentliche Strahlungstransportproblem.

Und schließlich kommen wir zum armen N2O. Wie die anderen ist auch dieses zu spät zur Party gekommen. H2O hat bereits alles aufgegessen und alles getrunken.

Setzt man N2O in eine Berechnung ein und vergleicht sie mit dem Strahlungstransportproblem ohne N2O, so ist kein Unterschied zu erkennen: Alle wichtigen optischen Pfade sind vollständig durch H2O gesättigt.

N2O und CH4 sind aus Sicht des Strahlungstransfers und des Treibhauseffekts bedeutungslos. Es gibt keinen Grund, Stickstoff, Kuhfürze oder Bauern zu kontrollieren. Das war schon vor Jahrzehnten allgemein bekannt – und hätte hängen bleiben müssen!

Aber bei der „virtuelle Wissenschaft“ geht es nicht darum, was bekannt ist, sondern was moralisch ist. Statt einer Politik, die sich auf die Wissenschaft stützt, haben wir die seltsame Umkehrung der Wissenschaft, die sich auf die Politik stützt.

Es gibt viele „Narrative“ unter den Wissenschaftlern. Die Wissenschaft schreitet voran, indem die Kontrahenten die groben Kanten der gegenseitigen Meinungen abklopfen.

In der virtuelle Wissenschaft gibt es nur ein „richtiges“ Narrativ, das von einer äußeren politischen Macht durchgesetzt wird. Wenn ein Wissenschaftler von dieser „Wahrheit“ abweicht, wird er nicht nur „falsch“, sondern schlimmer als falsch. Auf diese Weise wurde die Wissenschaft gekapert und korrumpiert.

Die normale Wissenschaft stirbt aus und die „virtuelle Wissenschaft“ regiert.

Mir war nicht ganz klar, womit wir es in diesen Jahren zu tun hatten, bis das Covid-Chaos die Phantasie der Regierungsbeamten, der Gerichte und der Presse in Anspruch nahm. Es gab so viele offensichtliche Anhaltspunkte.

Zum Beispiel trägt man Masken nicht, um sich selbst zu schützen, sondern um „andere zu schützen“ – aus moralischen Gründen, nicht aus wissenschaftlichen. Da war die Neudefinition von Krankheit, Todesursachen und Impfungen. Da waren die lückenhaften, testnummernfreien Fallzahlen und vieles mehr. Es gab die medizinischen Forscher, die ausgeschlossen, aus dem Verkehr gezogen oder entlassen wurden, weil sie dem Narrativ nicht folgten. Da waren die verteufelten alternativen Therapien und die törichte Diskriminierung derjenigen, die begründete Zweifel an dem hatten, was so vehement propagiert wurde.

So viel Schaden wurde angerichtet und wird noch angerichtet werden durch eine Politik, der jeglicher gesunde Menschenverstand fehlt.

Wer hätte gedacht, dass verrückte Ideen wie der Verzicht auf Düngemittel zur Rettung des Planeten jemals über die Grenzen der Fanatiker hinausgehen würden. Aber die Fanatiker sind an die Macht gekommen, weil wir sie gewähren ließen.

Es gibt eine einfache Lösung für diese Korruption: Wissenschaftler, die nicht das unterstützen, was sich als Narrativ herausstellt, sollten eine faire Anhörung erhalten.

Das geschieht aber nicht, weil zu viele das Wesen der Wissenschaft nicht verstehen. Hüten Sie sich vor Ausdrücken wie „Konsens“ oder „die Wissenschaft“. Sie könnten von einem Politiker „bearbeitet“ werden. Sie können noch so raffiniert sein und ihre Gegner täuschen, die Natur lässt sich nicht täuschen. Der Versuch, dies zu tun, kann nur zu Tränen und Verzweiflung führen.

This piece originally appeared at tnc.news and has been republished here with permission.

Link: https://cornwallalliance.org/2022/08/virtue-science-reigns/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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