Wie sich die Türkei anschickt, zum „global Player“ zu werden

Russland hat heute zwei deutsche Diplomaten zu „unerwünschten Personen“ in Russland erklärt – das heißt im Klartext: die beiden werden ausgewiesen. Die Entscheidung ist die Reaktion auf die Ausweisung zweier russischer Diplomaten aus Deutschand, die im Zusammenhang des von einem FSB-Agenten ausgeführte Mordes an einem Georgier im Berliner Tiergarten steht. Kein wirklich großes Ding, wo etwas passiert überall auf der Welt immer wieder. Es ist nur – sagen wir – unerfreulich, wenn ein anderer Staat auf deutschem Boden politische Morde verüben lässt.Die große Welt der Diplomatie hängt eng mit dem Willen von Staaten zusammen, eigene nationale Interessen nicht nur zu formulieren, sondern stringend durchzusetzen. Russland macht das und die USA, China und nahezu alle anderen. Außer, ja außer Deutschland. Wir sind verständlicherweise verliebt in die globale Wirtschaft, weil so unser vergleichsweise hoher Wohlstand erwirtschaftet wird. Und wir sind bereit, auf alles andere zu verzichten und am liebsten ganz Deutschland in die treusorgenden Hände der EU zu übergeben. Brüssel wird schon wissen, was gut für uns ist…

Das erstaunliche Gegenmodell ist die Türkei unter ihrem vielgeschmähten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der ist vermutlich kein besonders sympathischer Typ, seine Wirtschaft stottert, die türkische Lira ist auf Talfahrt, aber der Mann in Istanbul hat einen Plan.

„In den Straßen von Lomé, der Hauptstadt des westafrikanischen Kleinstaats Togo, wehen immer noch türkische Flaggen“, meldete vor wenigen Tagen die Deutsche Presse-Agentur dpa. Dort seine auf zahlreichen Großplakaten die beiden Präsidenten Faure Gnassingbé und Recep Tayyip Erdogan im Schulterschluss zu sehen, darunter der Slogan: «Zusammen ist eine gerechtere Welt möglich.»

Erdogan war nämlich auf Roadshow in Afrika, besuchte neben Toge etwa auch das enorm rohstoffreiche Angola, das mit seinen 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichstes Land des Kontinents ist. Und Erdogan redet nicht nur, er hat erknnt, dass auf dem schwarzen Kontinent ein enormes Potential für die Zukunft liegt.

Bisher hatte das anscheinend nur China mit seinem globalen Geltungsdrang bemerkt. Der Riese aus Asien, der so gern die Amis überholen möchte, kauft sich in afrikanischen Ländern ein, baut Infrakstrukturen auf, und wenn Staaten ihre Kredite nicht zurückzahlen können, dann ist das doch kein Problem. Einfach ein paar Bodenschätze für lau liefern und alles ist wieder gut. Die Chinesen machen das schon geschickt, inzwischen haben sie auf dem afrikanischen Kontinent auch eine große Militärbasis. Sicher, um China am Niger zu verteidigen, wie Deutschland ja im Hindukusch verteidigt wurde.

Erdogans Einfluss in Afrika ist enorm gestiegen. Gab es 2002 auf dem afrikanischen Kontinent nur zwölf türkische Botschaften, sind es heute 43. Mit vielen Staaten gibt es Abkommen über Visaerleichterungen. Etwa im selben Zeitraum hat sich das Handelsvolumen fast verfünffacht – von 4,6 Milliarden Euro 2003 auf mehr als 25 Milliarden 2020.

In Somalia hat die Türkei seit 2017 eine Militärbasis mit 2000 Soldaten, wo Offiziere und Soldaten geschult werden. Mit der Erweiterung des Hafens in der Hauptstadt Mogadischu hat sie sich Zugang zu einem wichtigen Knotenpunkt zu Rotem Meer und Indischem Ozean verschafft. In der Sahelzone unterstützt sie mit massiven Finanzhilfen den Kampf gegen islamistische Terrorgruppen. Auch im Bürgerkrieg in Libyen wurde ihr militärisches Engagement deutlich.

«Der türkische Fußabdruck in Afrika ist in kürzester Zeit größer geworden als der Fußabdruck der meisten europäischen Länder», schrieb unlängst der Chef der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA), Carlos Lopes. Erdogan betont immer wieder, dass es um eine Partnerschaft auf Augenhöhe und zum gegenseitigen Vorteil gehe. Zugleich teilt er aber auch gegen den Westen aus. «Als Türkei lehnen wir die westlich zentrierten orientalistischen Annäherungen gegenüber dem afrikanischen Kontinent ab», so der Präsident.

Die Türkei befindet sich heute erfolgreich in einem Wettbewerb, nicht nur mit China, sondern auch mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Indien. Die türkische Afrika-Politik habe zwei Ziele, sagt Nebahat Yasar, eine Expertin für die Auswärtigen Beziehungen. Die Türkei wolle ihre Wirtschaftskontakte vielfältiger gestalten und zum «Global Player» werden.

Die Türkei – ein global Player. Und Deutschland? Wir subventionieren Lastenfahrräder und Windräder und schicken Steuergelder nach Afrika zur Entwicklungshilfe. Unsere eigenen Interessen? Die interessiert kein Schwein in Berlin.

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