Zusammenrottungen im Dämmerlicht: Staatsfeinde beim Spazierengehen

Gefällt sich in seiner Opferrolle: Ein Weihnachtsmann in Mecklenburg bei einer stummen Meinungsäußerung.

Wer mit der Wahrheit lügen muss, weil ihm im Überlebenskampf nichts anderes mehr übrig bleibt, darf nicht klein denken und sich auf kosmetische Veränderungen bei Fakten und Gefühlen beschränken. es gitl, „Fakten zu schaffen“, wie es bei der deutschen Sozialdemokratie heißt. Was nicht passt, wird passend gemacht, eine Disziplin, in der es nicht zufällig das zum Teil SPD-eigene Redaktionsnetzwerk Deutschland RND zu großer Meisterschaft gebracht hat.  

Die beschmunzelte Contentfabrik

Die im politischen Berlin gelegentlich als „Reichsnachrichtendienst“ beschmunzelte Contentfabrik, die bundesweit Millionen unwissende Leser beliefert, schafft es in der Regel wie beiläufig, Zahlen im Sinne der eigenen Botschaft zu interpretieren, Tatsachen zu verbiegen und Statistiken so darzustellen, dass sie den Eindruck erwecken, sie bestätigten, was das RND-Kollektiv sich an Wirklichkeit wünschen würde. 

Das Ziel ist immer ein gutes: Der Kampf gilt dem Schoß, der fruchtbar noch ist, er gilt denen, die nicht glauben wollen, was sie glauben sollen, und denen, die die zweifeln. Ehemals eine Grundtugend des Berufsstandes der Journalisten. Heute Einstellungshemmnis nicht nur beim RND, dessen „Mitarbeitende“ (RND) nur einen Teil jener neuen Journalistengeneration repräsentiert, die sich als Prätorianergarde der Regierenden versteht, mit der Aufgabe betraut, das, was oben beschlossen wird, nach unten zu verkünden und immer noch besser zu erklären.

Es sind immer „mehrere Tausend“

Die dort nicht hören wollen und schon gar nicht glauben, können machen, was sie wollen, aber bitte daheim. Beim RND jedenfalls bekommen sie keine Plattform geboten: „Mehrere Tausend Menchen bei Protesten gegen Coron-Maßnahmen“ überschreibt der RND schon seit Wochen zuverlässig wie ein Regierungssprecher jede einzelne Meldung über Proteste und stumme Meinungsäußerungen zu den Pandemiemaßnahmen. 

Das geschieht völlig unabhängig von der Zahl der Teilnehmer und vom Inhalt der Berichterstattung, die die Zahl der Demonstranten und Spaziergänger schon im vierten Absatz auf einige zehntausend summiert. Selbst wenn der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl von 50.000 Demonstranten allein in seinem Bundesland spricht. Auch Zehntausende sind schließlich Tausende – und wenn es die Falschen sind, dann mag der RND-Berichterstatter ihnen kein Podium geben.

Unabgesprochene Abmachung

Das ist eine unabgesprochene Abmachung zwischen allen Medienhäusern. Von ARD über ZDF bis „Spiegel“, Taz“ und „SZ“ gilt die Sorge der Beobachter vor allem dem Umstand, keinen Böllerwurf, keine womöglich staatsfeindliches Plakat, kein Detail der Polizeistrategie zur Gewährleistung von Ruhe und Ordnung und erst Recht keine noch so kleinen „Gegenprotest“ (DPA) zu verpassen. Minutiös breiten die Reporter aus, wie sich Behörden und Polizei auf den Ansturm der Spaziergänger vorbereiten, was die kleine Gruppe der Gegenprotestler im Pfarrhaus plant und wie ängstlich die Maßnahmefreunde auf die Demokratiefeinde schauen, die das Grundgesetz missbrauchen, indem sie es stumm zitieren. 

Nur die Auslöser all der Aufregung dagegen kommen nie zu Wort. Sie bilden eine dunkle, unheimliche Masse, die hetzerisch „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“ oder „Lügenpresse“ ruft, einen Begriff, den der Evangelische Pressedienst im August 1914 benutzt hatte, um die „schwerste Waffe der Kriegsgegner“ zu beschreiben. Sie straft der hellwache Gemeinsinnfunk gern Lüge, indem er die „zusammengerottete“ (RND) „kleine radikale Minderheit der Impfgegner, Querdenker, Corona-Leugner, Medienhasser und Demokratiefeinde“ (RND) bei der Berichterstattung genau so darstellt: Düstere Mengen, die missmutig durch dunkle ostdeutsche Straßen streifen, augenscheinlich ohne jedes Anliegen, ohne jeden Wunsch.

Illegale Spaziergänge

Bei den „Aufzügen gegen die Corona-Maßnahmen“, wie sie neuerdings genannt werden, um weder mit den „Aufmärschen“ der früheren NPD noch mit den „Demonstrationen“ fortschrittlicher Protestanten verwechselt zu werden, gilt es vor allem, zu dämonisieren. Was nicht „angemeldet“ ist, muss „illegal“ (RND) sein. Was nicht in gewalttätigem Chaos endet, könnte immer noch ein „nicht genehmigter sogenannter Spaziergang“. Dass es eine Genehmigungspflicht für Spaziergänge hierzulande so wenig gibt wie eine Anmeldepflicht für Spontanversammlungen, stört wenig.

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